Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

UNERHÖRT! Diese Alltagshelden. – Jahresbericht 2018/2019

Logo https://diakonie-wuerttemberg.pageflow.io/jahresbericht-2019

Jahresbericht 2018/2019

Zum Anfang
Zum Anfang
Zum Anfang

Unerhört! Diese Alltagshelden.

Zum Anfang

Alltagshelden regional und global

Zum Anfang

Diakonie digital

Zum Anfang

Unternehmensfragen

Zum Anfang

Wirtschaftlich solide denken und handeln

Zum Anfang

Neues aus dem Bereich Pflege

Zum Anfang

Einsatz für neuen Pflegeberuf

Zum Anfang

Auftrieb für die Hauswirtschaft

Zum Anfang

Teilhabe trotz Behinderung

Zum Anfang

Freiwilliges Engagement

Zum Anfang

Landkreis- und Kirchenbezirksdiakonie, Existenzsicherung

Zum Anfang

Jugendhilfe

Zum Anfang

Neuer Imagefilm

Schließen
Gemeinsam mit der Filmagentur AV Medien hat die Diakonie Württemberg einen Imagefilm entwickelt. 

Der Film gibt mit hochwertigen schwarz-weiß Aufnahmen einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben der Diakonie.
Imagefilm der Diakonie Württemberg
Zum Anfang

Zahlen, Daten, Fakten

Zum Anfang

Impressum

Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V.
Heilbronner Straße 180
70191 Stuttgart

Telefon: 0711 1656-0
Telefax: 0711 1656-277

E-Mail: info@diakonie-wuerttemberg.de

Vertreten durch den gesetzlichen Vorstand

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender
Kirchenrätin Eva-Maria Armbruster, Vorstand Sozialpolitik
Dr. Robert Bachert, Finanzvorstand

Registergericht

Amtsgericht Stuttgart
Vereinsregister-Nummer: 2360

Umsatzsteuer – Identifikationsnummer

DE 147801854

Redaktion

Abteilung Presse und Kommunikation
E-Mail: online@diakonie-wuerttemberg.de​​​​​​
Zum Anfang

Migration und Internationale Diakonie

Schließen
400 peilte man an, letztlich wurden es mehr als tausend bunt gestaltete Stühle aus ganz Baden-Württemberg, die am 15. Mai von der Diakonie Württemberg in einer Installation auf dem Stuttgarter Marktplatz präsentiert wurden. Mit der Kampagne „Platz für Asyl“ machte sie sich mit ihren Kooperationspartnern, der Diakonie Baden und der Caritas in Baden-Württemberg, für den Flüchtlingsschutz und eine offene Gesellschaft der Vielfalt stark. Mit der Idee des „Asylstuhls“ wurde eine historische Tradition in Württemberg aufgenommen. 1.000 Asylstühle zeigen, dass hierzulande und in Europa Platz ist für Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Elend fliehen.

Die Stühle wurden von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gestaltet, sie engagieren sich in Flüchtlingsinitiativen, Kirchengemeinden, Schulen, diakonischen Einrichtungen und Kommunen. Auch Einzelpersonen engagierten sich, zum Beispiel Manfred Walter aus Lörrach: Mit seinem 40-Tonner transportierte der Ruheständler 80 Asylstühle von Schopfheim über Lörrach, Freiburg und Karlsruhe bis nach Stuttgart.

„Jeder Asylstuhl setzt in einzigartiger Vielfalt ein Zeichen für eine offene Gesellschaft und zur Ermutigung geflüchteter Menschen. Mit der Kampagne leisten wir gemeinsam einen Beitrag für ein vielfältiges menschenfreundliches Europa“, sagte Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, zum Auftakt der Veranstaltung. Knapp zwei Wochen vor der Europawahl setzten sich Diakonie und Landeskirche für ein Europa der Menschenrechte ein: „Diese Asylstühle sollen uns daran erinnern, dass wir ,Ja‘ sagen zu einem Europa der Menschenrechte – also einem Europa, das sich dafür einsetzt, dass Menschen auf der Flucht einen Raum und einen Platz bekommen“, betonte Landesbischof Frank Otfried July, der die Besucherinnen und Besucher über eine Videobotschaft grüßte.

Neben der Installation auf dem Marktplatz waren Besucherinnen und Besucher zu einem liturgischen Mittagsgebet in der Stiftskirche eingeladen, das von Menschen mit und ohne Flüchtlingshintergrund gestaltet wurde. Beim Bühnenprogramm kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik zu Wort. Musikalisch begleitete die A Capella Band „füenf“ den Nachmittag.

Die Aktion „Platz für Asyl in Europa“ endet aber nicht mit dem Aktionstag oder mit der Europawahl, sondern wird begeistert weitergeführt: Asylstühle waren bei der Bundesgartenschau in Heilbronn, Kommune, Kirche und Zivilgesellschaft im Kinzigtal haben zu ihren bestehenden zwölf Asylstühle für die Interkulturelle Woche weitere Asylstühle gestaltet, andere Stühle reisen als Wanderausstellung durch das Land oder kommen in Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen zum Einsatz.
Aktionstag "Platz für Asyl"
Zum Anfang
Rund 10.000 Alltagshelden in Baden-Württemberg stehen hinter der Kampagne „Platz für Asyl in Europa“. Frauen, Männer und Kinder mit und ohne Flucht- oder Migrationsgeschichte haben mit ihren bunten Asylstühlen ein eindrucksvolles Zeichen für eine offene Gesellschaft und einen menschenrechtsorientierten Flüchtlingsschutz gesetzt. In ihrem Alltag in Kirchengemeinden, in Schulen und Kindergärten, in der Nachbarschaft und in der Politik treten sie ein für die Belange und Rechte geflüchteter Menschen.

Alltagshelden im Kontext beruflicher Arbeit zeigt die Ausstellung „Wir schaffen was“, eine Koproduktion des Kreisdiakonieverbands Nördlicher Schwarzwald mit dem Diakonischen Werk Württemberg. In Portraits der Fotografin Birgit Betzelt werden geflüchtete Frauen und Männer vorgestellt, die sich durch alle Herausforderungen der beruflichen Integration hindurchgearbeitet haben und jetzt im Berufsleben angekommen sind. Hinter diesen Alltagshelden steht eine zweite Reihe von Alltagshelden, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die geflüchteten Menschen eine Chance gegeben und sie in ihren Betrieben und Organisationen eingestellt und gefördert haben.

Besondere Alltagsheldinnen und -helden sind die vielen Frauen, Männer und Kinder, die unter den Bedingungen globaler Ungerechtigkeit die Lebenssituation ihrer Nächsten und ihrer Familien sowie ihre eigene Lage mit Kompetenz und Phantasie zu verbessern suchen: „Seit wir Frauen uns in Kooperativen zusammen getan haben, können wir die Erdnüsse zu besseren Preisen verkaufen. Und es bleibt mehr übrig für uns alle“, berichtet zum Beispiel Arminda Assane aus Mosambik. Die Frauen sind für die Familien, den Haushalt und die Landwirtschaft verantwortlich. Seit sie eine spezielle Erdnussschälmaschine haben, müssen die Kinder nicht mehr beim Schälen helfen, sondern haben mehr Zeit zum Lernen und Spielen. Das Hilfswerk „Brot für die Welt“ unterstützt aktuell etwa 1.500 Projekte in rund  90 Ländern. Im Jahr 2018 wurde die 60. Aktion mit einem großen Festgottesdienst in der Stuttgarter Leonhardskirche eröffnet.

Der „BrotPreis“, den Brot für die Welt anlässlich der 60. Aktion bundesweit ausgelobt hatte, macht das Engagement von Alltagsheldinnen und Alltagshelden sichtbar, die sich vor Ort für weltweite Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung engagieren. Zu den Ausgezeichneten gehörten aus Württemberg die Gruppe der ehrenamtlichen Brotbotschafterinnen und Brotbotschafter sowie eine Gruppe Ehrenamtlicher um den CVJM Reutlingen, der auf Initiative von Günther Digel seit mehr als 50 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt Christrosen und fair gehandelte Waren verkauft.

In Serbien begleitet – gefördert von der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“  – unser Partner  „Ökumenische Humanitäre Organisation“ (EHO) zurückgekehrte Roma-Familien aus Baden-Württemberg. In den letzten knapp drei Jahren konnten mehr als 1.000 Menschen aus über 200 Familien unterstützt werden. Hierfür werden vor Ort Familienassistenten und -assistentinnen ausgebildet. Viele von ihnen gehören selbst zur Ethnie der Roma. Das Projekt bietet großes Potenzial von und für Alltagshelden und Alltagsheldinnen.

In diesen kleinen Szenen von Alltagshelden regional und global spiegelt sich Gottes großes Evangelium: was alltäglich scheint, wird groß. Was im Vergleich mit Heldentaten berühmter Menschen untergehen könnte, erfährt Beachtung und bleibt – eine diakonische Perspektive, die Mut macht.


Zum Anfang
Ein Projekt des Diakonieverbands Nördlicher Schwarzwald

WAS STECKT HINTER DER AKTION?
Als Diakonie sind wir neben unseren anderen Arbeitsbereichen auch in der Migrationsberatung für Erwachsene, der Flüchtlingssozialarbeit oder dem Integrationsmanagement aktiv. Hier begegnen wir vielen Menschen und begleiten sie zum Teil seit ihrer Zuteilung in unsere Städte.Seit dieser intensiven Anfangszeit haben viele Geflüchtete Deutsch gelernt, Freundschaften geschlossen, Wohnungen gefunden und zu Arbeiten begonnen. Diesen erlebten positiven Entwicklungsschritten wollen wir als Diakonie vor Ort und als Diakonisches Werk in Württemberg mit
dieser Ausstellung Raum geben und eine laute Stimme verleihen. Mit dieser Stimme wollen wir uns für Menschlichkeit auf Basis unseres Christlichen Glaubens und gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen. Denn diese positiven Geschichten sind keine Einzelfälle sondern belegbare Beobachtungen die wir in allen Diakonischen Bezirksstellen in unserer kirchlich-diakonischen
Flüchtlingsarbeit feststellen.

WAS HAT DIAKONIE DAMIT ZU TUN?
Als Diakonie haben wir den Anspruch Stimme und Hilfe für Bedürftige zu sein. Hierbei unterscheiden wir weder nach Herkunft, Geschlecht, Alter oder finanziellen Möglichkeiten unserer Klienten. Wir handeln hierbei auf Grundlage unseres Christlichen Menschenbilds und der Nächstenliebe. Wir sehen unseren Auftrag hierbei nicht nur in der persönlichen Beratungssituation, sondern auch darin, öffentlich zu sozialen Nöten Stellung zu beziehen. Darum setzen wir mit dieser Aktion in unserem Gemeinwesen für Wertschätzung und Menschlichkeit gegenüber Menschen anderer Herkunft ein Zeichen.
Zum Anfang

Behindertenhilfe

Die Einführung des Bundesteilhabegesetzes erfordert viel Anstrengung auf allen Seiten. Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen brauchen Information und Unterstützung zur Wahrnehmung ihrer Rechte, die Einrichtungen brauchen Unterstützung bei Prozessen der Umstellung.  

Die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen ist gestärkt. Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) schafft die rechtlichen Voraussetzungen dafür.  

Das BTHG orientiert sich am individuellen Bedarf und nicht an einer bestimmten Wohnform. Gut so. Die Rechte für Mitbestimmung sind vielfach im Gesetz formuliert. Es gibt nun unter anderem Frauenbeauftragte in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Sehr gut. Es wären viele weitere Beispiele zu nennen, die jedes für sich gut und zum Teil gut gemeint sind. Problematisch kann die verstärkte Form der Beteiligung bei der künftigen individuellen Bedarfsermittlung und der Teilhabe- oder Gesamtplanung werden, wenn die Sprach- und Handlungsfähigkeiten von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf nicht ausreichend vorhanden sind.  

Die Herauslösung des Leistungsrechts in ein eigenes Sozialgesetzbuch führt zu vielen Fragen bei den betroffenen Menschen. Information ist Voraussetzung für eine aktivere und selbstbestimmtere Mitwirkung im Alltag von Menschen mit Behinderung und/oder psychischen Erkrankung. Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen brauchen viel Übung und auch Handlungsräume, in denen Menschen mit Behinderung, Angehörige und auch Mitarbeitende der Einrichtungen und Dienste sich ausprobieren können.  

Die Abteilung Behindertenhilfe und Psychiatrie bietet unterschiedliche Fort- und Weiterbildungen an. Allen gleich: Es werden die Handlungsmöglichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer reflektiert und Schlüsselqualifikationen gestärkt. Die gelernten Fähigkeiten hinsichtlich der Beteiligung sollen im Alltag anwendbar sein.  

Früh hat die Fachabteilung, auch in Kooperation mit der Evangelischen Akademie in Bad Boll, im Rahmen von Fortbildungen für Werkstatträte und Bewohnerbeiräte aus ganz Baden-Württemberg über die wesentlichen Inhalte des Bundesteilhabegesetzes informiert. Eine Präsentation in Leichter Sprache wurde sofort nach Inkrafttreten des Gesetzes Anfang 2017 vom Evangelischen Fachverband Behindertenhilfe in Auftrag gegeben und seitdem oftmals gezeigt. So auch Anfang Oktober 2018 beim Marktplatz Inklusion, einer Großveranstaltung des Kirchlichen Aktionsplanes Inklusion.  

Die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner folgte einer Einladung und stellte sich Fragen. Der Sprecher des Beirats im Evangelischen Fachverband Hartmut Seitz-Bay erklärte den Anwesenden:   „Im letzten Jahr hat uns natürlich das Thema BTHG – Bundesteilhabegesetz sehr beschäftigt. Da passiert grad sehr viel. Noch wissen wir nicht genau ob das Ergebnis gut sein wird. Es stehen viele gute Sachen im Gesetz, es soll aber auch nicht zu viel kosten. Alles schwierige Dinge, um sie unter einen Hut zu bekommen. Fast wöchentlich finden zu dem Thema Sitzungen und Tagungen statt. Da geht es dann meist ziemlich kompliziert zu. Deshalb haben wir uns vom Beirat entschlossen, einen Fachtag zu veranstalten und eine Frau einzuladen, die zum BTHG gut Bescheid weiß. Sie hat die Aufgabe, die Interessen von Menschen mit Handicap in unserem Land zu vertreten und sie schaut auch sehr genau darauf, dass diese Interessen im BTHG auch nicht zu kurz kommen.“

Im Frühsommer 2019 gab es Informationen vor Ort für Angehörige von Menschen mit Behinderung. Die Mitgliedseinrichtungen nutzen dieses Angebot der Fachabteilung gerne. Es ist gut, als Leistungsanbieter nicht selbst Rede und Antwort stehen zu müssen. Trotz zum Teil einer großer Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist es wichtig, Alltagserfahrungen zu integrieren und neben der reinen Information eine fruchtbare Form der Auseinandersetzung zu ermöglichen.  

Anders die Veranstaltungen zum Bundesteilhabegesetz für Menschen mit Behinderung. Gefragt sind aktivierende Methoden, kollektive Prozesse und ästhetische Lernräume. Nach den Erfahrungen der Fachabteilung können so die Alltagswirklichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut wiedergegeben werden. Bildbeschreibungen und Rollenspiele sind dabei beispielsweise taugliche Ausdrucksmöglichkeiten. Zur Bewältigung und zum Verständnis der komplexen Thematik müssen Arbeitsformen angewendet werden, die lebbar und realistisch umsetzbar sind.  

In moderierten Fachtagen und Workshops lernen Menschen mit Behinderung ihre jeweiligen Interessen, Erfahrungen, Fähigkeiten, Erwartungen und Ziele bewusst. Sie lernen und üben sich für die Erfüllung ihrer Bedarfe einzusetzen. Sie lernen gegenseitige Vorurteile zu hinterfragen und zu überwinden. Die Aufgabe ist es, vorhandene Ressourcen verfügbar zu machen aber auch die eigenen Schwächen anzuerkennen. Ziel ist eine realistische Selbsteinschätzung.   Praxisnah und handlungsorientiert lassen sich Beteiligung und Verhandlungsprozesse für eigene Bedarfe, wie das Gesamtplanverfahren, gut trainieren und bewerten. Es ist eine gut austarierte Mischung aus positiver Ritualisierung, Rollenspiel, Skulpturarbeit und angeleiteter Peerberatung.
Zum Anfang
Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) wird in vier Reformstufe die zu unterschiedlichen Zeiten in Kraft treten. Eine wichtige, mit vielen Veränderungen verbundene Reformstufe ist die 3. Stufe, die zum 1. Januar 2020 in Kraft tritt. Um gut vorbereitet zu starten, musste dieses Jahr viel Zeit, Arbeit, Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, Spannkraft und Flexibilität investiert werden.

Die Mitarbeitenden der Landesgeschäftsstelle waren an vielen Prozessen in Baden-Württemberg intensiv beteiligt. Mit den Fachverbänden der Behindertenhilfe und Psychiatrie, unterschiedlichsten Fachgremien und dem Sprecherkreis der Angehörigen wurden die Inhalte intensiv verbandsintern diskutiert.

Ein internes interdisziplinäres Team aus Fachexperten, Wirtschaftsberatung und Justiziariat hat an folgenden Meilensteinen der BTHG Umsetzung gearbeitet, um die umfangreichen gesetzlichen Neuerungen realisieren zu können:
  • Durch die Trennung von existenzsichernden Leistungen (Hilfen zum Lebensunterhalt) und Fachleistungen (Maßnahmen der Betreuung, Unterstützung und Begleitung) ändern sich die Zahlungsströme. Aus dem „Sozialhilferechtlichen Dreieck“ sind nun vier Akteure geworden: 1. Leistungsberechtigte, 2. Leistungserbringer 3. Leistungsträger der Fachleistung sowie der 4. Leistungsträger der existenzsichernden Leistungen. Dies hat zur Folge, dass Kommunikationsstrukturen, Prozessabläufe, Kriterien und Organisationsstrukturen in unseren Mitgliedseinrichtungen neu gestaltet und gedacht werden müssen. 
  • Es wird nicht mehr zwischen ambulanter, teilstationärer oder stationärer Leistung der Eingliederungshilfe unterschieden. Es wird jetzt der Begriff „besondere Wohnformen“ verwendet. Personen, die in einer besonderen Wohnform – früher stationäre Einrichtung – wohnen, haben ab Januar 2020 einen anderen Status. Das bedeutet, dass sie die Kosten für ihren Wohnraum, Verpflegung sowie Lebensunterhaltungskosten künftig selbst bezahlen, gegebenfalls mithilfe staatlicher Transferleistungen. Dieser Systemwechsel muss geplant und organisiert werden. In Baden-Württemberg wurde mit einer Überleitungsvereinbarung ermöglicht, dass die Leistungserbringer in den kommenden zwei Jahren ihre Leistungen auf die neue Systematik umstellen können. Die Anwendung dieser Übergangsvereinbarung löste zahllose Fragen bei den Mitgliedseinrichtungen aus. Eine Task Force Gruppe wurde eingerichtet, um komplexe Fragestellungen der Mitglieder während der Überleitungsphase zu beantworten und der Newsletter Behindertenhilfe und Psychiatrie hält die Mitglieder auf dem aktuellen BTHG-Umsetzung Stand. 
  • Das DWW hat für die Mitglieder für den Zeitraum der Übergangsvereinbarung zur Umsetzung des BTHGS einen Wohn- und Betreuungs-Mustervertrag für stationäre Einrichtungen zur Verfügung gestellt. 
  • Ein Bedarfsermittlungsinstrument (BEI_BW) wurde auch von den Mitgliedseinrichtungen erprobt und evaluiert. Mit diesem Instrument wird künftig der Unterstützungsbedarf von Menschen mit Behinderung erfasst. Das DWW hat im Jahr 2019 für die Mitgliedseinrichtungen drei Multiplikatorenschulungen zu diesem Instrument angeboten.
Zu den oben genannten Themen wurden für die Mitgliedseinrichtungen zahlreiche Fachtagungen veranstaltet. Die Fachabteilung hat für die Träger unterschiedliche Tagungen, Workshops und Fortbildungen angeboten, um einen Überblick über wesentliche Änderungen durch das Bundesteilhabegesetz und begleitende Gesetze zu verschaffen. Eine Handreichung für Angehörige und Leistungsberechtigte wurde hierzu mit Sorgfalt erstellt. Auch eine Checkliste zu Aufgaben und Anträgen für Leistungsberechtigte baut Barrieren ab.
Zum Anfang
Die Veränderung und der Paradigmenwechsel wird zur Herausforderung für Menschen mit Behinderungen. Die Mitgliedseinrichtungen unternahmen viel, um den Klienten Sicherheit und Halt zu vermitteln. Beziehungsarbeit ist in dieser Zeit verstärkt wichtig. Durch Information, Prozesstransparenz und Mitwirkung gelingt wieder ein Stück mehr Teilhabe. Obwohl die Information der Leistungsberechtigten Aufgabe der Stadt- und Landkreise ist, wurde der überwiegende Teil dieser Informationsarbeit von den Mitgliedseinrichtungen geleistet. Es ist eine gewaltige Aufgabe, Leistungsberechtigte und Angehörige über die Änderungen zu informieren und diese zu begleiten. Viele Mitgliedseinrichtungen wurden dabei durch das DWW unterstützt.

Die durch das BTHG ausgelösten systematischen Änderungen erfordern bei den Mitgliedseinrichtungen umfassende Anpassungen in der Finanzbuchhaltung, im Controlling und bei zahlreichen weiteren Prozessen. Viel weitergehend sind die Fragen der strategische Neuausrichtung für die Mitgliedseinrichtungen, die sich durch den vom BTHG ausgelösten Paradigmenwechsel ergeben. Hierbei berät das DWW intensiv.
Zum Anfang

Digitalisierung

„Wir gestalten die Digitalisierung der Gesellschaft zum Wohl und Nutzen der Menschen mit“ – so heißt es in der strategischen Ausrichtung des Diakonischen Werks Württemberg (DWW). Zur Realisierung dieser Zielsetzung haben Arbeitsgruppen mit zahlreichen Maßnahmen begonnen:

Strategie
  • Die Abteilungen des DWW wirken an der Digitalisierung mit und lassen sich dabei vom „Wohl und Nutzen der Menschen“ leiten.
Plattform
  • Die Diakonie in Württemberg hat gemeinsam mit größeren Mitgliedseinrichtungen ein bundesweit ausgerichtetes und zukunftsweisendes Plattform-Projekt „mitunsleben.de“ auf den Weg gebracht. Visionäres Ziel der „mitunsleben“ ist es, alle sozialen Dienstleistungen aller sozialen Dienstleister in ganz Deutschland für Klienten und deren Angehörige auf der Plattform anzubieten. 14 kirchliche Sozialunternehmen betreiben diese GmbH und bauen gemeinsam als institutionelle Anbieter eine digitale Plattformlösung für soziale Angebote der gesamten Breite sozialer Dienste auf. Die Plattform soll soziale Dienstleistungsangebote digital bündeln sowie online buchbar machen. Parallel arbeiten wir als Verband im VeDiSo mit, dessen drei Hauptziele die Akquise von Geldern für die Digitalisierung, die Herstellung der Digitalisierungsfähigkeit sozialer Unternehmen ist und Lobbyarbeit. VeDiSo heißt: Verband für die Digitalisierung in der Sozialwirtschaft. Er ist ein Mitgesellschafter der mitunsleben GmbH.
Digitaler Rechnungseingang
  • Die Testphase für den Digitalen Rechnungseingang findet derzeit statt. Hierzu sind folgende technische und inhaltliche Komponenten zu installieren:
  1. Anschaffung hausinterner Hardware (Scanner etc.)
  2. Bereitstellung externe Hardware (Speicherplätze und Datensicherung)
  3. Einrichtung der Unabhängigkeit von der Standleitung
  4. Programmierungsergänzungen für den Standard der Rechnungsstellung
  5. Planung der Testphase und detaillierte Ist-Analysen der Prozesse
  6. Konzeptionelle Strukturierung
Coyo
  • Mit der neuen Intranetsoftware Coyo steht eine vielfältige und ausdifferenzierte Plattform für die Informationsvermittlung und interne Kommunikation zur Verfügung. Aktuell wird Coyo von vielen Mitarbeitenden getestet. Dadurch kann das Instrument individuell an die Bedürfnisse des DWW angepasst werden, um es noch besser nutzbar zu machen.
  • Mitarbeitende testen Coyo derzeit u.a. für die Vorbereitung und Durchführung von Sitzungen (Test: Spendenfonds, Fachverband, Leitungskonferenz und Verbandsrat).
Medientechnik
  • Alle Besprechungsräume im EG wurden mit modernsten Bildschirmen ausgestattet, anhand einer sehr einfachen Lösung mittels „ClickShare“ kann der Bildschirminhalt mühelos übertragen und so gemeinsam daran gearbeitet werden.
  • Bezüglich des Einsatzes und der Nutzung der Software „BlueJeans“ für Videokonferenzen werden derzeit noch die Vereinbarungen mit dem Softwarehersteller geprüft. Wichtig ist uns neben einer guten Funktionalität die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen des kirchlichen Datenschutzgesetzes.
Software für Veranstaltungs- und Tagungsmanagement
  • Im Zuge der Digitalisierungsbestrebungen des DWW und der erhöhten Datenschutzanforderung im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten, ist die Notwendigkeit entstanden, die Tagungs- und Adressverwaltungsabläufe zu überprüfen. Der Wunsch nach einer einheitlichen und professionellen Veranstaltungssoftware wurde von vielen Abteilungen des DWW deutlich geäußert. Dies wurde durch eine Bedarfserhebung konkretisiert. Es wurden ein Pflichtenheft erstellt und nach einer umfangreichen Marktrecherche Anbieter ausgewählt, die den Kriterien des Pflichtenheftes entsprechen.
Dokumentenmanagementsystem
  • Ein wichtiger Baustein für den Digitalisierungsprozess im Diakonischen Werk Württemberg ist die Implementierung eines umfassenden Dokumentenmanagementsystems. Ein solches System soll im Zeitraum von 2019 bis 2023 im Diakonischen Werk Württemberg – in enger Kooperation mit entsprechenden landeskirchlichen Projekten – unter Beachtung diakonischer Spezifika und Anforderungen eingeführt und implementiert werden.
    Das Projekt beinhaltet folgende Bausteine:
  1. Einführung der rechtsverbindlichen elektronischen Akte.
  2. Redigitalisierung des Aktenbestandes und die Optimierung des Bestandsprozesses.
  3. Einführung eines vollumfänglichen Dokumentenmanagementsystems unter Berücksichtigung der IT-Sicherheitsverordnung der EKD (ITSVO) und des DSG EKD. Zugehöriger Bestandteil eines erfolgreichen Dokumentenmanagementsystems ist die Kommunikation und der Austausch mit den Mitgliedern, Fachausschüssen und Verbänden sowie die Planung und Durchführung von Sitzungen und ein ganzheitliches Projektmanagement.
Kulturwandel
  • Das Thema „Digitalisierung und Kulturwandel“ wird in den verschiedensten Gremien und Veranstaltungen des DWW, zum Beispiel in Hausversammlungen, aufgenommen, diskutiert und bearbeitet.
Ethikleitbild
  • Die Diakonie Deutschland veröffentlicht neu einen „Digital Newsletter“, der dazu dient, Wissen zum Thema Digitalisierung aufzubauen, Neuigkeiten aus den Bereichen Organisation, eCommerce und Online Kommunikation zu verbreiten und Unternehmen vorzustellen, die durch ihre digitalen Services und Produkte Inspiration und Hilfe zur Lösung der unterschiedlichen Aufgaben beitragen können.

Ebenfalls gestartet ist die Entwicklung neuer, digital unterstützter Beratungsangebote für Klienten und Mitglieder der Diakonie Württemberg. Die zentrale Frage, die beantwortet werden muss: Wie kann digitale Technik für mehr und bessere Beratung von Menschen für Menschen eingesetzt werden?

Zum Anfang

Oikos

Mit dem Motto „Ausbildung in der Hauswirtschaft ist bunt und vielfältig wie das Leben!“ wirbt das JOBSTARTERplus-Projekt oikos seit Juli 2016 für die duale Ausbildung zum/zur Hauswirtschafter/in.

Der Duft frischer Wäsche, die Zufriedenheit nach einem leckeren Essen, sich wohl und sicher fühlen in Sauberkeit und guter Gesellschaft – das alles schafft die professionelle Hauswirtschaft.

Der Name für das Projekt oikos kommt aus dem Griechischen. Hier bezeichnet es die wirtschaftlichen Abläufe innerhalb eines Gutshofes, somit den Hausstand und das Anwesen mit allen Wirtschaftsbetrieben. oikos ist also Hauswirtschaft und findet sich als Wortstamm wieder in der Ökotrophologie genauso wie in der Ökonomie und der Ökologie.

Von Juli 2016 bis Ende Juni 2019 war das Projekt oikos Teil der Abteilung Theologie und Bildung mit vier Teammitgliedern. Die Abteilung beschäftigt sich mit Theologie und Bildung ebenso wie mit Fragen der Personalgewinnung (Welcome Center, vide terra, oikos) und Personalentwicklung (Debora, Belev).
Hauswirtschaft spielt in vielen sozialen Feldern eine zunehmend wichtige Rolle. Sie ist Grundlage und manchmal auch die Seele von sozialen Einrichtungen, führt jedoch nicht selten ein Schattendasein. Hauswirtschaft ist gut, wenn sie funktioniert, aber die Menschen, die die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten erledigen, sind oft wenig sichtbar.
Dies und auch das Outsourcing hauswirtschaftlicher Tätigkeiten hat in zahlreichen Einrichtungen dazu beigetragen, dass die Ausbildungszahlen in der Hauswirtschaft in den vergangenen Jahren bundesweit drastisch gesunken sind und es selbst bei manchen Arbeitsagenturen nicht mehr bekannt war, dass es diesen kreativen Beruf mit vielfältigen Aufstiegsmöglichkeiten noch gibt.

Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung im Alltag und zum Teil auch Pflege – sei es in Heimen oder zuhause. Immer mehr Kinder essen auswärts und haben wenig Gelegenheit, hauswirtschaftliches Handeln kennen zu lernen. Professionelle hauswirtschaftliche Kompetenz wird deshalb mehr und nicht weniger gebraucht.
Um das Image der Hauswirtschaft zu steigern und Menschen für die Ausbildung in diesem Bereich zu gewinnen, hat sich die Abteilung Theologie und Bildung – Bereich Hauswirtschaft – mit Teamleitung Ursula Schukraft um die Finanzierung für ein dreijähriges JOBSTARTERplus Projekt beworben. Die Hauswirtschaft sollte in Baden-Württemberg wieder deutlicher in den Blick geraten.

Am 30. Juni 2019 endete das Projekt. Die erfolgreichen Maßnahmen wie die Ausbildung von Ausbildungsbotschafterinnen, die Jugendkommunikation auf Facebook und Instagram sowie die Vernetzungstreffen von Ausbildern werden auch in Zukunft stattfinden. Mit oikos-plus startet im September ein weiteres Projekt, dass sich neben der Ausbildung auch der Hauswirtschaft im Quartier widmen wird.
Zum Anfang
oikos konnte in den drei Jahren als „Vitaminspritze“ für die Ausbildung in der Hauswirtschaft wirken. Der Beruf wurde durch vielfältige Marketingmaßnahmen wieder bekannter gemacht. Junge Leute wurden in Schulen, auf Messen, in sozialen Medien oder öffentlichen Veranstaltungen wie der Bundesgartenschau über den Beruf und die Möglichkeiten, die er bietet, informiert.

Multiplikatoren wie Berufsberatende der Arbeitsagenturen oder Lehrende an allgemeinbildenden Schulen wurden über den Beruf umfassend informiert. Einrichtungen und Betriebe wurden motiviert, wieder oder überhaupt in die Ausbildung einzusteigen.

Vielfältige Werbematerialien wurden von oikos entwickelt und eingesetzt, um diesen Beruf mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Diese Materialien können weiterhin ausgeliehen werden, eine E-Mail genügt: hauswirtschaft@diakonie-wue.de. Sie sind auch auf der oikos-Homepage ausführlich beschrieben: www.oikos-hw.de

Die Maßnahmen hatten gute Erfolge – die Ausbildungszahlen konnten in Baden-Württemberg um 30 Prozent gesteigert werden. Akteure und Akteurinnen der Hauswirtschaft haben sich in Ausbildungsringen und Arbeitsgruppen vernetzt und der Beruf ist sowohl unter der Zielgruppe der Schulabsolventen als auch bei Multiplikatorinnen bekannter geworden.

Insbesondere viele Hauswirtschaftliche Betriebsleitungen und Meisterinnen sind wieder zuversichtlicher geworden, dass die Ausbildung sich auch lohnt und sind wieder bereit sich auch für die Zukunft ihres Berufs zu engagieren. Dies ist vielleicht der größte Erfolg von oikos, dass die lange Zeit vorherrschende depressive Stimmung sich wieder in positives Engagement wendet.
Auch zahlenmäßig kann oikos sich sehen lassen: Insgesamt wurden mehr als 4.000 Personen in 117 Veranstaltungen erreicht. Darunter zahlreiche Personen aus dem öffentlichen Leben: Minister, Staatssekretärinnen sowie Landtagsabgeordnete haben oikos kennen gelernt, auch bundesweit wurde das Projekt vielfach angefragt und interessiert aufgenommen.

Bei landes- und bundesweit organisierten Tagungen konnte oikos für das Image der Hauswirtschaft werben und bei der Abschlusstagung „Trommeln für die Hauswirtschaft“ noch ein letztes Mal einen Motivationsschub in die Hauswirtschaft bringen. Anlässlich dieser Tagung am 15. Mai 2019 in Stuttgart sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg Bärbl Mielich: „Das Projekt bietet eine Riesenchance für Geflüchtete, Arbeit zu finden und dass sie dann mit ihrer Arbeit die Lebensbedingungen für Menschen verbessern, die in ihrer Häuslichkeit bleiben möchten.“ Um diese Möglichkeiten auch weiterhin zu nutzen, bemüht sich das Diakonische Werk Württemberg um eine weitere Finanzierung durch das Land.

Zum Anfang
Vom Teilprojekt „Ausbildung plus Sprache“ ist besonders zu berichten. In der Anfangsphase von oikos standen unerwartet viele Geflüchtete vor unserer Tür, die eine Zukunft und berufliche Laufbahn in Baden-Württemberg beginnen wollten. Dadurch entstand die Idee, dass es auch in diesem Personenkreis Menschen geben müsste, die in ihrem Land bereits in der Hauswirtschaft tätig waren: in Hotels, in der Gastronomie oder in der Textilpflege. Insbesondere Männer kamen mit hauswirtschaftlichen Erfahrungen als Schneider, Bügler, Servicekraft oder aus dem Lebensmittelhandel und konnten an diese Kompetenzen anknüpfen.

Durch Gespräche am Runden Tisch Hauswirtschaft, bei dem Vertretungen von drei Ministerien sitzen, wurden Wege gefunden, auch diesen Personen die Ausbildung in der Hauswirtschaft zugänglich zu machen. Die Ausbildung wurde von Anfang an individuell um ein viertes Ausbildungsjahr verlängert, so dass in den ersten beiden Jahren an der Berufsschule jeweils zehn Stunden Deutschunterricht angeboten werden konnten. Dies geschah als allgemeiner Deutschunterricht, als Fachunterricht und auch als Gemeinschaftskundeunterricht, wo die Azubis viel über ihre neue Heimat lernen konnten.
Die Ausbildung ist weiterhin als duale Ausbildung konzipiert mit drei Tagen im Betrieb und zwei Tagen in der Schule. In der Hedwig Dohm Schule in Stuttgart sowie in den Berufsschulen in Göppingen, Reutlingen und Karlsruhe gibt es nun schon im dritten Jahr Klassen und Teilklassen mit Geflüchteten, die in der Ausbildung zum oder zur Hauwirtschafter oder Hauswirtschafterin sind.

Es konnten neben manchen Schwierigkeiten dabei wirklich tolle Mitarbeitende gefunden werden. Eine Ausbilderin sagte neulich über ihren Azubi, er sei wie ein Sohn für sie. Eine andere Ausbilderin ist begeistert von ihrer syrischen Familienfrau, die ganz anders „nolangt“ als die schwäbischen jungen Azubis, die sie bisher kannte. Trotzdem hat oikos viel mehr Bewerberinnen und Bewerber als Ausbildungsplätze, so dass leider nicht alle Interessierten vermittelt werden können.

Die Strahlkraft des Projekts reicht bis in die Bundespolitik: Sogar der Bundespräsident lud oikos zum Ende des Projekts ein: Mitte Juni 2019 wurde Projektleiterin Ursula Schukraft zum Gartenfest „Land in Sicht“ beim Bundespräsidenten Hans-Walter Steinmeier und seiner Ehefrau Elke Büdenbender auf Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen. Eine Auszeichnung für das Projekt oikos, das in den vergangenen drei Jahren in Baden-Württemberg die duale Ausbildung zum/zur Hauswirtschafter/in intensiv gefördert hat. Neue Strukturen wurden aufgebaut, die hoffentlich auch in Zukunft die hauswirtschaftliche Ausbildung unterstützen.
Zum Anfang

Der 28-jährige Syrer Abdulmuneem Wlaya unterstützt Flüchtlingsfamilien im Projekt „Angekommen und Angenommen“ der eva im Rems-Murr-Kreis Weinstadt/Althütte.

Es ist gar nicht so einfach, einen Termin mit Abdulmuneem Wlaya zu vereinbaren. Der 28-jährige Syrer hat viel zu tun: An der Universität Hohenheim absolviert er gerade einen Sprachkurs als Vorbereitung aufs Studium. Daneben jobbt er beim Gerätehersteller Stihl und als Pizzafahrer. Und wann immer er gebraucht wird, unterstützt er das Projekt „Angekommen und Angenommen“ der Evangelischen Gesellschaft (eva) als ehrenamtlicher Mentor. „Mir haben viele Leute geholfen, als ich vor drei Jahren nach Deutschland gekommen bin“, sagt er in fließendem Deutsch. „Jetzt möchte ich etwas zurückgeben.“

An seine ersten Tage und Wochen in Deutschland erinnert sich Abdulmuneem noch sehr gut. Und an ein bestimmtes Gefühl, das diese Zeit geprägt hat. „Alles war fremd und hat mir Angst gemacht“, sagt er. Vor seiner Flucht aus dem kriegszerstörten Aleppo hatte er gerade an der Universität seinen Bachelor in Physik abgeschlossen und schon an verschiedenen Schulen unterrichtet. Und doch: „Hier in Deutschland waren plötzlich die einfachsten Sachen schwer. Du hast kein Selbstbewusstsein mehr, wenn du in der Fremde bist“, weiß Abdulmuneem. „Sogar am Getränkeautomat hatte ich Angst, etwas falsch zu machen, obwohl wir in Syrien ja auch solche Automaten hatten.“

Es sind Erfahrungen wie diese, die Abdulmuneem mit vielen anderen geflüchteten Menschen teilt. Er weiß, wie schwer es ist, in der neuen fremden Heimat klarzukommen – und wie man es doch schaffen kann. Genau deshalb engagiert er sich seit über einem Jahr als ehrenamtlicher Mentor im Projekt „Angekommen und angenommen“, das die eva im April 2017 gestartet hat. Das Angebot unterstützt geflüchtete Eltern mit ihren Kindern, die in Gemeinschafts- und Anschlussunterkünften in Fellbach, Weinstadt und im Weissacher Tal (Auenwald, Allmersbach, Althütte, Weissach im Tal) leben.

„Die Eltern sprechen meist kaum Deutsch und haben wenig Anbindung an Vereine oder andere hilfreiche Angebote vor Ort“, weiß Sozialarbeiter Konstantinos Kafasis. Gemeinsam mit seiner Kollegin Gunhild Schmidt macht er den Familien im Projekt verschiedene Angebote, um ihnen das „Ankommen“ zu erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Einzel- und Gruppenberatung, internationale Treffs, Familientage oder Workshops zu verschiedensten Themen. Daneben gibt es Gesprächskreise, um im geschützten Rahmen Deutsch sprechen zu üben. Doch immer wieder stoßen die hauptamtlichen Projektmitarbeiter dabei an sprachliche und kulturelle Grenzen. „Deshalb sind unsere Mentoren wie Abdulmuneem so wichtig“, sagt Kafasis. „Für die Familien sind sie tolle Vorbilder – und für uns wichtige Türöffner und Vermittler.“

Abdulmuneem übersetzt zum Beispiel bei Treffs oder Workshops – oder auch mal spontan am Telefon, wenn Konstantinos Kafasis oder Gunhild Schmidt in einer Beratung ohne Dolmetscher nicht mehr weiterkommen. „Oft geht es aber auch darum, das Leben in Deutschland zu erklären und was anders als in Syrien ist“, erzählt Abdulmuneem. Er erklärt den Flüchtlingsfamilien zum Beispiel, dass deutsche Polizisten freundlich sind und man vor ihnen keine Angst haben muss. Oder was genau ein Sozialarbeiter wie Kostantinos Kafasis eigentlich macht und dass man ihm vertrauen kann. Oder dass jeder gegenüber deutschen Behörden Pflichten hat, aber auch Rechte, die er einfordern kann. „Ich will den Leuten auch zeigen: Wenn man etwas will und sich anstrengt, dann kann man hier viel schaffen“, so der 28-Jährige.

Er ist das beste Beispiel dafür: In nur drei Jahren hat er fließend Deutsch gelernt, hat mittlerweile eine Wohnung in Althütte und verdient sein eigenes Geld. Demnächst will er weiterstudieren und einen deutschen Bachelor machen, um später als Physiker oder Ingenieur zu arbeiten. Dabei hat Abdulmuneem Ende 2015 selbst bei Null angefangen: Als er vor dem Krieg aus Syrien floh, lag seine Heimatstadt Aleppo in Trümmern. „Es gab kein Wasser, keinen Strom, keine Lebensmittel mehr in der Stadt“, erzählt er. In Deutschland angekommen, musste er die ersten Monate in Sporthallen und Sammelunterkünften ausharren. „Ich war oft frustriert, weil es nichts zu tun gab“, erinnert er sich. „Arbeiten oder zur Schule gehen durften wir anfangs nicht.“ Schnell wurde ihm klar, dass die Sprache der Schlüssel zu allem ist. Noch bevor er einen Deutschkurs machen durfte, besorgte er sich Lehrbücher und paukte mit einem ehrenamtlichen Helfer deutsche Vokabeln und Grammatik. „Ich habe mir damals stundenlang deutsche youtube-Videos angesehen, um meine Aussprache zu verbessern.“ Heute übersetzt der studierte Physiker Gespräche über deutsche Mülltrennung oder Bescheide über Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Für Konstantinos Kafasis war es ein Glücksfall, dass Abdulmuneem Anfang 2017 über den AK Asyl Auenwald zum Projekt „Angekommen und Angenommen“ stieß. Sofort war er bereit, sich gemeinsam mit zehn anderen Freiwilligen zum Mentor ausbilden zu lassen. „Wir haben uns ein Jahr lang alle zwei Wochen getroffen und viel gelernt über Kommunikation, Asyelrecht und worauf man beim Dolmetschen achten muss“, erzählt Abdulmuneem. Langeweile kommt im Alltag des 28-Jährigen nicht auf. Oft fährt er bis 22.30 Uhr Pizza aus und muss sich morgens um 7 Uhr wieder auf den Weg zum Uni-Sprachkurs machen. Trotzdem arbeitet er in jeder freien Minute gern im Projekt mit. „Für mich ist das keine Pflicht“, sagt Abdulmuneem. „Es macht mich einfach glücklich, wenn ich anderen Menschen helfen kann, ihre Probleme zu lösen.“  
Zum Anfang
Im Binku-Treff in Lenningen unterstützen Bürger, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und professionelle Betreuer. Geflüchtete wie Alaghi, den jungen Schneider aus Gambia.

Alaghi Fatty faltet den Stoff auseinander, begutachtet ihn, dann legt er ihn fein säuberlich zusammen. Was daraus wird, wird sich bald zeigen: ein T-Shirt, ein Kleid, eine Tasche? Gerade wurde ihm der neue Stoff in die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Höllochstraße in Oberlenningen gebracht. Dort schneidert er in einem kleinen Nähzimmer – und hilft seinen 40 Mitbewohnern: Er flickt, kürzt, näht neue Reißverschlüsse ein. Alaghis liebster Platz ist hinter der hellblauen „Privileg“ und der beigen „Ideal“, zwei in die Jahre gekommenen Nähmaschinen. Eine hat er auf dem Flohmarkt billig erstanden, die andere ist eine Spende aus dem „Umsonstladen“, der örtlichen Tauschbörse für die Lenninger Bürgerschaft.

Seine Mutter brachte ihm in Gambia den Umgang mit der Nähmaschine bei. Als er erstmals einen Faden einfädelte, war er neun. Jetzt, mit 23, kombiniert er afrikanischen und europäischen Chic. Die Stoffe bringen Farbe in sein Leben – seiner ungewissen Zukunft als Geflüchteter zum Trotz. Wenn Alaghi konzentriert hinter der Nähmaschine sitzt und behutsam den Stoff führt, dann ist er ganz bei sich: „Mein Kopf ist frei von allem“, sagt er. Frei von den quälenden Erinnerungen an die Flucht. Und frei von Zukunftssorgen. Er schneidert flink – mehr als eine Stunde braucht er nicht für ein neues Kleidungsstück.

Beim Sommerfest in der Gemeinschaftsunterkunft hat ihn Heike Keller-Dieckmann, eine engagierte Lenninger Bürgerin, zum ersten Mal gesehen: an einem Stand mit Sonnenschirm, an dem bunte Kleidung im Wind flatterte. Darunter ein ruhiger junger Mann, der weniger mit Worten als mit einem freundlichen, offenen Lächeln umgarnt. Keller-Dieckmann fragte den jungen Schneider, ob er seine Sachen bei ihr im sogenannten Binku-Treff ausstellen wolle. Das ist ein Café und eine Begegnungsstätte für Inklusion und Kultur – ein Treff, den die engagierte Lenningerin im Sommer in ihrem Privatgarten anbietet. Was für eine Chance, auch etwas für Frauen und Kinder zu schneidern – nicht nur für junge Männer in der Unterkunft. Schon im „Umsonstladen“ war Alaghi aufgefallen, weil es aus dem Hinterzimmer einmal die Woche leise ratterte, wo er gebeugt über seiner Nähmaschine saß. Die interkulturelle Trommel-Gruppe „Rasta Kunda“ gab bei ihm ein Outfit in Auftrag: dezente Tuniken und Kaftane aus beigem Leinenstoff mit gemusterten Bordüren im Stil seiner afrikanischen Heimat. Seitdem näht Alaghi auf Wunsch auch für Freunde, Bekannte und Lenninger Bürger – nicht für Geld, sondern gegen Stoffspenden.  

Auch Heike Widmann vom Fachdienst Jugend, Bildung, Migration (FJBM) der BruderhausDiakonie beliefert ihn regelmäßig. Die Integrationsmanagerin berät und betreut die Geflüchteten in der Höllochstraße. Insgeheim wird sie „die Chefin“ genannt – im Guten und vertrauensvoll, weil sie die Männer zwischen 18 und 35 Jahren unterstützt. In Absprache mit dem Landratsamt haben sie und Funda Akin, die Sozialbetreuerin des FJBM, auch dafür gesorgt, dass Alaghi in der Unterkunft ein kleines Nähzimmer bekommt. Dort zeigt er anderen Flüchtlingen, wie man mit der Nähmaschine umgeht.  

Heike Wiedmann unterstützt Alaghi bei der Suche nach einem Praktikum. Dafür will er einen Lebenslauf schreiben und lernt nachmittags in einem Sprachkurs Deutsch. Die Integrationsmanagerin Widmann versucht, Kontakte zu einem größeren Bekleidungshaus mit Änderungsschneiderei zu knüpfen: „Es wäre für ihn von unschätzbarem Wert, wenn er in einem solchen Betrieb Erfahrungen sammeln und die Abläufe kennenlernen könnte“, meint sie. „Alles was ich will, ist einmal als Schneider zu arbeiten“, sagt Alaghi und faltet ein neues Stück Stoff zusammen. Es ist der Stoff, aus dem seine Träume sind.

Autorin: Susanne Rytina 
Kontakt BruderhausDiakonie Region Stuttgart
Fachdienst, Jugend, Bildung, Migration
Funda Akin (Sozialbetreuung)
E-Mail: funda.akin[at]fjbm-bruderhausdiakonie.de
Zum Anfang
Sie ist Mitte 50. Eine Spätaussiedlerin, die nicht nur mit der deutschen Sprache zu kämpfen hat, sondern auch mit einer Lernbehinderung und einem Suchtproblem. Seit Dezember 2011 ist Jutta Benzing ihre gesetzliche Betreuerin. Geldgeschäfte, Post, Gesundheitsvorsorge, Aufenthaltbestimmungsrecht – alle diese Bereiche fallen in die Zuständigkeit von Jutta Benzing. Einmal im Monat besucht sie ihre Klientin zu Hause. In dringenden Fällen telefonieren sie oder treffen sich kurz in der Stadt. Wo es möglich ist, versucht Jutta Benzing die Frau in die Entscheidungen einzubinden. Beim Bankbesuch hält sie sich im Hintergrund, lässt sie reden. „Ich gehe so mit ihr um, wie ich auch behandelt werden möchte", betont die Betreuerin. Ein bis zwei Stunden dauern die monatlichen Treffen. Noch einmal so viel Zeit ist nötig, um Telefonate zu erledigen, Anträge zu stellen oder das Rechenbuch zu führen. „Am Anfang war natürlich mehr zu tun“, sagt Jutta Benzing. Sie musste sich einen Überblick verschaffen. Sie musste unnötige Versicherungen kündigen, die der unwissenden Frau teilweise skrupellos aufgeschwatzt worden waren. Sie musste Kopien ihres Betreuerausweises verteilen. Nicht immer, das gibt Jutta Benzing ganz offen zu, weiß sie, was zu tun ist. Zumal bei ihren beiden vorigen Betreuungen solche Aufgaben nicht nötig waren. Hilfreich sei es deshalb, dass sie Fragen stellen könne. Beim Betreuungsverein der Diakonie, auf dem Notariat, aber auch beim Jobcenter bekomme sie immer ausführliche Antworten. „Ich habe als Betreuer nur gute Erfahrungen gemacht“, so ihre Zwischenbilanz.

Doch nicht nur deshalb war es eine gute Entscheidung, zu einem Seminar von Diakoniemitarbeiterin Martina Dotzauer zu gehen und sich danach für das Ehrenamt als Betreuerin zu entscheiden. Sie gewinne dadurch auch persönlich sehr viel, sagt Jutta Benzing. Es sei spannend, am Leben der Leute teilzuhaben. „Allerdings muss man es auch aushalten können, dass es andere Lebenswelten gibt", so die studierte Sozialpädagogin. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Ehrenamt eines gesetzlichen Betreuers sei deshalb: „Die Bereitschaft, sich auf jemanden einlassen zu können."

Kontakt
Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald
Andrea Perschke
Geschäftsführerin 
​​​​​​​Tel.: 07452 841029
Zum Anfang
Ganz einfach ist es wirklich nicht für Reiner Lamprecht. Der drahtige 54-Jährige aus Heilbronn ist aufgrund einer körperlichen Einschränkung durch Kinderlähmung zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. Aktuell nutzt er ihn auch schon bei kürzeren Strecken und manchmal kommt er auch schon mal bei zu längeren Fluren an seinem Arbeitsplatz, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, zum Einsatz. Wenn irgendwie möglich und machbar versucht er in seinem Alltag mit einem Gehstock klarzukommen.

Gut, dass das so möglich ist, denn die für einen Rolli erforderliche Barrierefreiheit ist bei weitem nicht überall gegeben. Erst vor kurzem musste Reiner Lamprecht mal wieder aus seinem Rolli aussteigen. Er war auf einem seiner vielen Einsätze für andere in Stuttgart auf dem Hauptbahnhof und kein Aufzug hat ihn zur gewünschten U-Bahn gebracht. „Das ist bedauerlicherweise gerade nicht möglich“, so eine freundliche, aber wenig hilfreiche und weiterführende Auskunft eines Angestellten der Deutschen Bahn. Gott sei Dank hat er noch die Möglichkeit und kann mit Unterstützung die Rolltreppe nutzen.

Der Beirat des Evangelischen Fachverbandes Behindertenhilfe trifft sich an diesem Tag in der Internationalen Jugendherberge in Stuttgart. Reiner Lamprecht ist seit vielen Jahren dort aktiv. Wirkt mit wo er kann und setzt sich für Menschen mit Handicap in ganz Baden-Württemberg ein. Der Beirat ist eines der vielen Gremien, in denen Reiner Lamprecht etwas für andere tut, sich leidenschaftlich einbringt, die Stimme für eine verbesserte Teilhabe von Menschen mit Behinderung erhebt.

Wie gesagt, die Liste ist lang: Neben dem Beirat des Evangelischen Fachverbandes Behindertenhilfe ist er im Arbeitskreis Eingliederungshilfe und dem Inklusionsbeirat der Stadt Heilbronn, sowie in einer Projektgruppe der Behindertenhilfe des Landkreises aktiv.  

Doch nicht nur die Welt der kommunalen und landesweiten Gremien der Sozialpolitik gehören zur – ehrenamtlichen – Welt von Reiner Lamprecht, der an seinem Arbeitsplatz in der LebensWerkstatt auch noch Vorsitzender des Gesamtwerkstattrates ist. Eigentlich wäre schon das ein Fulltime-Job.

Eines ist klar: Energie hat er, auch wenn er manchmal vor lauter Terminen Zeiten doppelt vergibt und dann in Absprache mit seiner Assistentin Prioritäten setzen muss. Er weiß, wo er Unterstützung braucht und kann es auch benennen. So auch in seinem übrigen Alltag. Schon lange wohnt Reiner Lamprecht im Ambulant betreuten Wohnen und erhält lediglich stundenweise Unterstützung von den Offenen Hilfen Heilbronn.

Ganz heldenhaft versucht er aber immer alle gut zu begleiten, zu beraten und schont sich selbst dabei wenig. Selbst in seiner knappen Freizeit ist Reiner Lamprecht für andere da. So gestaltet er den inklusiven „Olgatreff“ der Offenen Hilfen, unterstützt das dortige Team bei der Organisation und packt schon auch mal an der Theke mit an, wenn „Not am Mann ist“. Auf die Frage, ob es denn nicht manchmal zu viel sei, bekommt man von Reiner Lamprecht die klare Antwort, dass es wichtig sei etwas zu tun. Und schon im nächsten Satz berichtet er mit strahlenden Augen und voller Begeisterung von guten Beispielen, wie das im Beirat des Fachverbandes entwickelte Ideen- und Beschwerdemanagement oder auch der Fahrt zu einem Inklusionskongress. Helden des Alltages – Reiner Lamprecht ist sicher einer von Ihnen.
Zum Anfang
Im Familienpatenprojekt der „Jagsttalpaten“ engagieren sich Ehrenamtliche für Familien und Menschen im unteren Jagsttal, Landkreis Heilbronn. Das Projekt des Kreisdiakonieverbandes Heilbronn bietet Unterstützung, wo andere Hilfen nicht oder möglicherweise zu spät greifen. Die Unterstützung der ehrenamtlichen Jagsttalpatinnen und -paten ist dabei sehr niederschwellig und hochflexibel. Doch fühlen die Ehrenamtlichen sich in Anbetracht des Geleisteten als Alltagshelden?

Interviewer: Seit wann sind Sie als Jagsttalpatinnen aktiv?
Renate Giebel: Ich bin jetzt seit drei Jahren als Jagsttalpatin aktiv. Ich bin einfach ein Typ, der nicht so gern daheim sitzt und habe mir schon länger überlegt, bei den Jagsttalpaten mitzumachen. Erst habe ich mir das nicht so recht zugetraut. Inzwischen habe ich auch schon komplizierte Fälle begleitet und kann sagen, dass die Aufgabe als Familienpatin mir liegt und es mir großen Spaß macht dabei zu sein.
Sigrid Michel: Ich habe von der Möglichkeit sich als Jagsttalpatin zu engagieren aus der Zeitung erfahren. Renate und ich waren dann im gleichen Kurs, den es zur Vorbereitung auf das Ehrenamt  gibt. Ich bin neben meiner Tätigkeit als Jagsttalpatin noch als Pflegemutter aktiv und freue mich, dass diese beiden Aufgaben sich gut vereinbaren lassen. Häufig kann ich wie heute meine Pflegekinder einfach mit zu den Familien nehmen.

Interviewer: Frau F., Ihre Familie wird von Jagsttalpaten unterstützt. Wie kamen Sie zum Projekt?
Frau F.*: Das wurde bei uns über die Diakonische Bezirksstelle vor Ort eingefädelt. Hier hatten mein Mann und ich einige unterstützende Gespräche und uns wurde die Möglichkeit mit den Jagsttalpaten angeboten. Angela Tatti, die Projektkoordinatorin bei der Diakonie, kam zu uns und sprach mit meinem Mann und mir darüber, in welchen Bereichen wir uns genau eine Hilfe vorstellen könnten. Seither kommen Sigrid und Renate zu uns und verbringen Zeit mit mir und den Kindern oder helfen uns regelmäßig wenn Großeinkauf ansteht, den wir nicht ohne Auto erledigen können. Das ist für uns eine große Hilfe und Entlastung.

Interviewer: Was macht Ihnen an der Arbeit als Jagsttalpaten Freude?
Sigrid Michel: Zunächst einmal die gute Betreuung durch Angela Tatti. Wir treffen uns sehr regelmäßig mit ihr zum Erfahrungsaustausch. Wenn es irgendwo mal hakt, besprechen wir das und finden eigentlich immer eine Lösung. Manchmal kann zum Beispiel der Tausch unserer Einsatzstellen Sinn machen.

Interviewer: Welche Aufgaben haben Sie als Jagsttalpatinnen?
Renate Giebel: Das können wir immer mitbestimmen. Wir bekommen die Familien und Fälle vorgestellt, bevor wir in die Hilfe einsteigen. Da bekommen wir ein Bild, um was es im Einzelnen geht. Zum Beispiel habe ich schon bei Hausaufgaben geholfen, Freizeit mit Kindern verbracht oder ausgeholfen, wenn Kinder mal stundenweise zu betreuen sind. Die Aufgaben einer Jagsttalpatin können von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.

Interviewer: Für die Diakonie Württemberg sind Menschen wie die Jagsttalpaten „Alltagshelden“. Passt diese Bezeichnung denn für Sie?
Sigrid Michel: Also ich sehe mich absolut nicht als Alltagsheldin. Ich fühle mich mehr als Helferin. Wir wurden auch schon öfter gefragt, warum wir das machen? Dann hab ich gesagt, dass ich, wenn ich alt bin, mal sagen möchte, dass ich versucht habe, Gutes zu bewirken. Ob ich viel oder wenig bewegt habe, das ist egal. Man hat`s jedenfalls versucht. Und man hat seinem Leben ein Stück weit mehr Sinn gegeben.

Interviewer: Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für Sie!

*Klientin, Name geändert
Zum Anfang
Sich einfach eine Auszeit nehmen – das ist für pflegende Angehörige nicht einfach. Daher gibt es im Evangelischen Kirchenbezirk Marbach am Neckar das „Auszeit!“ Projekt: An jeweils drei zusammenhängenden Nachmittagen findet es in unterschiedlichen Kirchengemeinden des Kirchenbezirks statt. Auf diese Weise kann mindestens 4 bis 6 mal im Jahr eine „Auszeit!“ für Menschen mit Demenz – ohne Begleitung durch ihre Angehörigen – angeboten werden.

Zu jeder „Auszeit!“ finden sich Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft und kirchlicher Ausrichtung ein, um sich von Gemeindediakonin Carmen Meinhardt-Pfleiderer als ehrenamtliche Mitarbeiterin oder ehrenamtlichen Mitarbeiter ausbilden zu lassen. Fast alle Menschen, die am Projekt teilnehmen, haben einen sehr persönlichen Grund, sich dieser Aufgabe zu stellen. Nicht selten spielen auch die Aufarbeitung des persönlich Erlebten, das Ablegen eigener Ressentiments oder auch ureigenes Interesse am Thema und das Bedürfnis zu Helfen eine große Rolle.

Sie sind hier genau am richtigen Ort. Hier können sie all das, was sie mitbringen, zum einen einbringen und zum anderen ablegen. Sie machen sich auf den „Weg zum Menschen mit Demenz“ und auf diesem Weg entstehen Freundschaften, Hilfsaktionen und selbstverständlich auch Selbstvertrauen im Umgang mit einem von einer Demenz betroffenen Menschen. So erfahren alle eine Gemeinschaft, die stärkt.

Diese Stärkung erfahren vor allem auch die Angehörigen, die sich so ein paar Stunden frei nehmen und in denen sie tun und lassen können, was sie möchten. Und obendrauf bekommen sie am Abend noch eine gemeinsame Brotzeit und ein gutes Wort auf den Weg, das sie trägt.

So wird diese „Auszeit!“ eine Auszeit für alle am Projekt Beteiligten. Und um mit den Worten einer am Projekt mitarbeitenden Ehrenamtlichen zu sprechen: „Es war, auch für mich, wie eine Auszeit in meinem Alltag – hinein in eine neue, durch und durch erfahrbare Welt voller Freude und Ruhe.“
Zum Anfang
Andi Koch ist schon ganz aufgeregt. Es ist später Mittwochnachmittag und der hörbehinderte junge Mann, der in einer Wohngruppe der Paulinenpflege in der Stadtmitte von Winnenden wohnt, bekommt heute Besuch von der „Sportministerin“. So wird Franzi Wagishauser hier liebevoll von Mitarbeitern und Bewohnern genannt. Eigentlich ist sie Beamtin im öffentlichen Dienst, in der Paulinenpflege Winnenden ist sie ehrenamtlich für die sportliche Fitness von Andi Koch zuständig.

Zweimal pro Monat kommt Franzi Wagishauser zu Andi Koch auf die Wohngruppe, um von dort aus eine Walking-Tour zu starten. Der 27-Jährige ist schon neun Jahre lang als Klient in der Paulinenpflege. Für ihn ist der Besuch von Franzi Wagishauser ein Highlight und so liegt auch schon der Terminkalender vor ihm, als Franzi Wagishauser eintrifft. Zuerst werden die nächsten Termine fest eingeplant, dann geht’s raus in die Natur. Und nicht nur Andi Koch ist begeistert: „Für mich ist der ehrenamtliche Job der ideale Ausgleich zu meiner Arbeit. In der Paulinenpflege bekomme ich von den Bewohnern viel zurück. Andi hat Spaß und freut sich auf unsere Fitness-Termine“, erzählt Franzi Wagishauser. Da sie auch eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin gemacht hat, gibt es für Andi Koch einen richtigen Fitnessplan: Dazu gehören Laufen, Nordic Walking und ein Intervalltraining.
Die beiden sind schon ein knappes Jahr ein Team. Richtig „klick“ gemacht hat es bei Franzi Wagishauser bereits im Herbst 2017, als sie beim Bottwartal-Lauf spontan gefragt wurde, ob sie nicht einen Rollstuhlfahrer aus der „Blauen Arche“ der Paulinenpflege bei diesem sportlichen Event unterstützen mag. „Danach war mir klar: Das will ich regelmäßig machen. Ich möchte Menschen mit Behinderung bei ihren sportlichen Aktivitäten unterstützen und ihnen dadurch noch ein Stück mehr Lebensqualität ermöglichen“.

Seit März 2018 ist sie „offiziell“ ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Paulinenpflege. In dieser Zeit hat sich bei Andi Koch viel getan. „Mir macht das total Spaß mit Franzi!“, sagt er, während die beiden in Richtung Stadtgarten walken. Andi Koch darf sich die Tour immer selbst aussuchen – manchmal fahren die beiden auch erst ein Stück mit dem Auto. Ein großes Highlight war für Franzi Wagishauser und Andi Koch der Kerner Nachtlauf. Darauf haben die zwei monatelang zugearbeitet. „Er war der perfekte Lauf“, strahlt Andi Koch über beide Ohren. Und die „Sportministerin“ ist sichtlich stolz auf ihren Läufer: „Andi ist beflügelt vom herrlichen Laufwetter, all den Knicklichtern und Fackeln auf einer tollen Strecke durch die Weinberge und auf fünf Kilometern seine ganz persönliche Bestzeit gelaufen. Da knüpfen wir auf alle Fälle an“.

Ehrenamtliches Engagement in der diakonischen Einrichtung kann die Beamtin nur empfehlen: „In der Paulinenpflege gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, um ehrenamtlich tätig zu werden. Da findet man immer was, das zu einem passt, auch ohne z.B. sportlich zu sein.“
Zum Anfang

Unternehmensfragen

Die Kommission für Unternehmensfragen (KfU) hat sich bei der Übernahme der Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst vom April 2018 in die AVR-Württemberg Buch 1 und 2 engagiert. Es ging vor allem um die Einführung eines neuen Verfahrens zur dauerhaften Sicherung der Leistungsangebote. Seit 27.02.2019 gibt es nun eine solche Regelung.

Profitieren können von dieser Regelung insbesondere Träger, die auf den Hilfefeldern der Arbeitslosenhilfe und der Jugendberufshilfe tätig sind, sowie die Berufsbildungswerke. Die praktischen Erfahrungen haben gezeigt, dass gerade in diesen Hilfefeldern die wirtschaftlichen Folgen der strukturellen Veränderungen und die wirtschaftlichen Folgen der gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren, wie beispielsweise Ausschreibungsverfahren, durch die bisherigen befristeten Bestandssicherungsverfahren in den an den TVöD angelehnten AVR-Württemberg (AVR-Wü Buch 1,2 und 5) nicht aufgefangen werden können. Der Grund dafür liegt darin, dass der in diesen Bereichen maßgebliche Tarifvertrag deutlich unter dem Niveau der AVR-Württemberg liegt und eine Refinanzierung dadurch nicht sichergestellt ist. Aus diesem Grund haben die Dienstgeber der Diakonie Württemberg und das Diakonische Werk hier die Initiative ergriffen, eine neue, langfristige Möglichkeit zu schaffen, die den betroffenen Trägern eine dauerhafte Perspektive für die Fortsetzung ihrer Arbeit gibt. Da für die dringend notwendige Bestandssicherungsregelung keine Mehrheit in der Arbeitsrechtlichen Kommission Württemberg zustande kam, hat im Frühjahr 2019 der Schlichtungsausschuss nach dem Arbeitsrechtsregelungsgesetz eine mit dem Dienstgeberantrag nahezu identische Bestandssicherungsregelung beschlossen. Das Verfahren ist dabei den bisherigen Bestandssicherungsverfahren sehr ähnlich; es muss hier aber zusätzlich eine dauerhafte strukturelle Bestandsgefährdung nachgewiesen werden. Damit gibt es nun die Chance, auf den genannten Hilfefeldern Arbeitsplätze und Angebote langfristig zu sichern.
Zum Anfang
Bundesteilhabegesetz
Bei den unternehmenspolitischen Themen der Sitzungen der KfU stand die Einführung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) und die sich daraus ergebenden Auswirkungen und Konsequenzen für die Einrichtungen im Vordergrund. Das BTHG stellt zahlreiche Einrichtungen vor große Herausforderungen, da sich die gesamte Leistungs- und Finanzierungssystematik grundlegend ändert.

Digitalisierung
Auch das Thema Digitalisierung wurde ausführlich behandelt. Es wurde beispielsweise geprüft, was genau unter dem Begriff „Digitalisierung“ verstanden werden kann, wie der Stand der Digitalisierung in der Sozialwirtschaft ist und welche neuen Möglichkeiten sich durch Digitalisierung, insbesondere für die Einrichtungen, aber auch die betreuten Menschen ergeben.

Rechtssprechung
Zu den zahlreichen weiteren Punkten auf der Tagesordnung der KfU gehörte auch die Auseinandersetzung mit der geänderten Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum Thema der Überstundenzuschläge für Teilzeitbeschäftigte.
Zum Anfang
Erstmalig in der Geschichte der Arbeitsrechtlichen Kommission Württemberg wurde ein Dienstgebervertreter der Diakonie zum Vorsitzenden der Arbeitsrechtlichen Kommission gewählt. Die Kommission wählte in ihrer Sitzung am 22.02.2019 Dietmar Prexl, den Vorsitzenden der Kommission für Unternehmensfragen, für das Jahr 2019 zu ihrem Vorsitzenden. Die Amtsdauer des Vorsitzenden beträgt jeweils ein Jahr; danach wird ein neuer Vorsitzender gewählt, wobei der Vorsitz rollierend zwischen Dienstgeber- und Dienstnehmerseite wechselt.
Zum Anfang

Freiwilliges Engagement

Zum Anfang
Zum Anfang
Zum Anfang
Zum Anfang

Verhandlungskollektiv

Über viele Jahre wurden Preisempfehlungen für Leistungen nach § 36 SGB XI für die Pflegedienste in Baden-Württemberg in der Pflegesatzkommission SGB XI ambulant gemeinsam mit allen kirchlichen, frei-gemeinnützigen und privaten Wohlfahrts- und Pflegeverbänden verhandelt.

Die erzielten Preiserhöhungen bildeten die Kostenentwicklung der kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen wie AVR Württemberg und Kirchliche Anstellungsordnung vielfach nicht oder nicht vollständig ab.

Um unseren Diakoniestationen weiterhin eine Alternative zu Einzelverhandlungen anbieten zu können, suchten wir Verbündete in der Diakonie Baden und den Caritasverbänden in Baden und Württemberg, um ein Kollektiv der sogenannten vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände zu bilden. In diesem Kollektiv sind die tariflichen Bedingungen sehr ähnlich.

Unter Federführung von Adelheid Frank-Winter, Leiterin der Abteilung Wirtschaftsberatung, forderten die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände im Herbst 2019 zu entsprechenden Verhandlungen für die ihnen angeschlossenen Pflegedienste auf. Erstmals kam es somit zu getrennten kollektiven Preiserhöhungs-Verhandlungen auf Landesebene in Baden-Württemberg.

Voraus gegangen waren diesem Schritt natürlich intensive Diskussionen mit dem Evangelischen Landesverband für Diakonie-Sozialstationen in Württemberg. Auch Kirchenrätin Eva-Maria Armbruster als zuständiges Vorstandsmitglied des DWW engagierte sich bei den Sondierungsgesprächen mit den Pflegekassen.

Die erzielten Erhöhungsempfehlungen weisen einen deutlichen Abstand zu den Erhöhungsempfehlungen für Dienste ohne Anwendung eines Flächentarifs auf. Die Verhandlungsgruppe von Diakonie und Caritas ist sich einig, dass ein Ergebnis in dieser Höhe im vorherigen Kollektiv nicht möglich gewesen wäre.

Es war also strategisch eine richtige Entscheidung im Hinblick auf die finanzielle Lage der Diakoniestationen. Christian Müller, Leiter der Diakoniestationen in Waiblingen und Schorndorf, begrüßt ausdrücklich das neue Verhandlungskollektiv: „Ich bin froh, dass sich Diakonie und Caritas zu diesem Schritt entschieden haben. Es ist eine eindeutige Stärkung der Dienste mit Tarifanwendung. Dass die tarifliche Entwicklung sich in der Preiserhöhung gut widerspiegelt, ist ein wichtiger Punkt für uns ambulante Dienste. Dadurch bleibt mehr Zeit für andere wichtige Themen. Aber auch für die Mitarbeitenden war dies ein ganz wichtiges Signal. Sie erleben sich ja oft als reiner „Kostenfaktor“ – nun konnten wir sagen: die Tariferhöhung wurde anerkannt!“

Zum Anfang

Pflegeberufereform

Im Juli 2017 wurde das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe verkündet, am 1. Januar 2020 soll es in Kraft treten – damit beginnt eine neue Ära in der Pflegeausbildung. Mit dem Gesetz soll der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Versorgungsbereiche der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege gelegt werden.

Das Pflegeberufegesetz reformiert die Pflegeausbildung grundlegend, aber die Vorbereitung auf das neue System wird allen beteiligten Akteuren viel Vorbereitungsarbeit abverlangen. Die schulische und praktische Ausbildung muss neu organisiert werden, Schulen, Einrichtungen und ambulante Dienste werden sich regional absprechen, ihre Angebote aufeinander abstimmen und vermehrt Kooperationen eingehen müssen.

Mit der Verabschiedung des Pflegeberufegesetzes, der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe und der Ausbildungsfinanzierungsverordnung, die bereits zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist, hat der Bundesgesetzgeber zunächst die wichtigsten Grundlagen zur Umsetzung der Pflegeberufereform geschaffen. Ferner eröffnet das Pflegeberufegesetz dem Landesgesetzgeber durch eine Vielzahl landesgesetzlicher Ermächtigungen einen Ausgestaltungsspielraum an landesrechtlichen Regelungen. In Baden-Württemberg sind das Ministerium für Soziales und Integration und das Kultusministerium federführend für die Umsetzung der Reform im Land zuständig. Zur Unterstützung der Schulen und Träger der praktischen Ausbildung wurden Arbeitsgruppen eingerichtet, die die entsprechenden Normen formulieren sollen und den Prozess der Umsetzung begleiten werden. Auch die Diakonie in Württemberg ist in diesen Arbeitsgruppen aktiv beteiligt und setzt sich für die erfolgreiche Umsetzung der Pflegeberufereform ein, um einerseits mehr (junge) Menschen für die Pflege als Beruf zu interessieren und andererseits die Einrichtungen – wenn auch trotz verschärfter Anforderungen – weiterhin zum Ausbilden zu motivieren.

Die Information und Begleitung der Mitgliedseinrichtungen, beispielsweise durch eine Fachtagung im April 2019, ein Austauschforum und verschiedene Austauschrunden auf interner und übergeordneter Ebene waren und bleiben ein Aufgabenschwerpunkt der Abteilung Gesundheit, Alter, Pflege und der eigens dafür geschaffenen Stelle zur Begleitung der Umsetzung der Pflegeberufereform. Als zentrales Thema muss auch die Finanzierung der Pflegeberufereform bearbeitet werden. Alle Kosten der Ausbildung - vom Ausbildungsgehalt über die Anleitung in der Praxis bis hin zur theoretischen Ausbildung in den Schulen - muss über eine sogenannte „Umlage“ finanziert werden. Dies führt dazu, dass jede(r) Pflegebedürftige einen Ausbildungszuschlag auf die Pflegeleistung bezahlen muss. In Baden-Württemberg wird damit gerechnet, dass hier ab dem Jahr 2020 etwa 500 Millionen Euro an Kosten entstehen werden, die nach einem komplizierten System auf rund 17.000 Ausbildungsplätze verteilt werden bzw. von den Empfängern der Pflege aufgebracht werden müssen.

Nach wie vor ist bei diesem komplexen Gesetzesvorhaben, das die verschiedenen Akteure der Pflegeausbildung gleichermaßen betrifft, noch vieles zur Umsetzung unklar, widersprüchlich und ein halbes Jahr vor Inkrafttreten nicht wirklich steuerbar. Zum Beispiel hat sich die Bundesregierung geweigert, eine Anschubfinanzierung für die Pflegeschulen zu geben, was die Diakonie Württemberg kritisiert. Die baden-württembergische Landesverwaltung bemüht sich darum, entsprechende Regelungen und Verordnungen noch im Jahr 2020 zu treffen. Es ist jedoch erkennbar, dass der Zeitraum zwischen der Verkündung des Gesetzes und der praktischen Umsetzung sehr kurz ist. Es gibt noch viele offene Fragen, zum Beispiel, wie es mit den bisherigen Assistenz- und Helferausbildungen weitergeht. Diese werden von den Pflegeinrichtungen sehr geschätzt und auch dringend gebraucht. Auch die Parallelität der alten und zukünftigen Ausbildungsgänge – bis 2024 wird es noch die herkömmlichen Ausbildungsgänge in der Krankenpflege und in der Altenpflege geben - ist eine Herausforderung für Schulen und Ausbildungsträger.

In den nächsten Monaten wird es daher verstärkt darum gehen, die von der Bundesebene erarbeiteten Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne in Landeslehrpläne umzusetzen, Pflegeschulen, Träger der praktischen Ausbildung und Praxiseinsatzstellen miteinander zu vernetzen und Kooperationsgrundlagen zu schaffen, Stellung zu ausstehenden landesrechtlichen Regelungen und Verordnungen zu beziehen und sich für die Klärung der vielen offenen Fragen einzusetzen – das Diakonische Werk Württemberg arbeitet an diesen Prozessen aktiv mit und bringt sich als „Interessenswalter“ auch in die politische Diskussion ein. Denn gut ausgebildete Pflegefachkräfte sind die Voraussetzung für eine gute und zukunftssichere Pflege.
Zum Anfang
Mit der Pflegeberufe-Reform wird auch die Finanzierung der Pflegeberufe-Ausbildung neu geregelt. Künftig erhalten sowohl die Pflegeschulen als auch die Träger der praktischen Ausbildung eine Pauschale je Schüler bzw. Auszubildender/m, die ihre mit der Ausbildung verbundenen Kosten abdecken soll, zusätzlich werden den Trägern der praktischen Ausbildung die Ausbildungsvergütungen bzw. die Mehrkosten der Ausbildungsvergütungen erstattet.

Da die Pflegeberufe-Reform als Neuerung Praxiseinsätze in den verschiedenen Pflegebereichen verbindlich fordert und zusätzliche Anforderungen an den Umfang der Praxisanleitung und weitere Ausbildungsaspekte stellt, ergeben sich ganz neue personelle und organisatorische Anforderungen an die Ausbildungsträger. Da ferner im Pflegebereich bisher keine entsprechende Finanzierung existierte, lagen für viele Kostentatbestände keine wirklich validen Daten als Ausgangsbasis vor, es musste auf Schätzungen von Trägern zurückgegriffen werden.

Dr. Robert Bachert als zuständiges Vorstandsmitglied sowie Adelheid Frank-Winter waren maßgeblich an den Verhandlungen über die Pauschalen für die Träger der praktischen Ausbildung beteiligt, die auf Seiten der Leistungserbringer gemeinsam mit der BWKG als Landeskrankenhausgesellschaft sowie allen Vereinigungen der Träger der ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen im Land zu führen waren.

Zwischenzeitlich ist auch eine Schiedsstelle eingerichtet, bei der entsprechend § 36 Abs. 2 PflBG die Leistungserbringerseite mit zwei Vertretern der Krankenhäuser sowie je einem Vertreter der ambulanten Pflegedienste bzw. der stationären Pflegeeinrichtungen besetzt ist. Mitglied als Vertreter der stationären Pflegeeinrichtungen in der Schiedsstelle ist Dr. Robert Bachert.

Erfreulicherweise konnten – ohne Anrufung der Schiedsstelle - Pauschalen verständigt werden, die nach den bisherigen Erkenntnissen über den Pauschalen nahezu aller anderen Bundesländer liegen. Im Hinblick auf die nächste Verhandlungsrunde in zwei Jahren wird zu beobachten sein, ob die ausgehandelten Pauschalen auskömmlich sind oder ob bei der nächsten Runde Anpassungen vorzunehmen sind.

Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege hoffen wir sehr, dass es – trotz der erhöhten Anforderungen und des höheren Bürokratieaufwandes – in Baden-Württemberg gelingt, die Zahl der Auszubildenden in der Pflege mindestens auf dem bisherigen Niveau zu erhalten, besser noch zu erhöhen.
Zum Anfang
Im Juli 2017 wurde das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe verkündet, am 01. Januar 2020 soll es in Kraft treten – damit beginnt eine neue Ära in der Pflegeausbildung. Mit dem Gesetz soll der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Versorgungsbereiche der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege gelegt werden.

Schon seit vielen Jahren fordern Fachleute ein Ende unterschiedlicher Ausbildungsgänge in den einzelnen Bundesländern – und vor allem Eines: Die Angleichung der Entlohnung der Kranken- und Altenpflege.

Kern des neuen Pflegeberufegesetzes ist die Zusammenführung der bisher im Altenpflegegesetz und im Krankenpflegegesetz getrennt geregelten Ausbildungen der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Nun sollen alle zukünftigen Pflegekräfte in den ersten zwei Ausbildungsjahren eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung erhalten, mit den gleichen Inhalten in Theorie und Praxis, sie durchlaufen Pflichteinsätze in fünf Versorgungsbereichen (stationäre Akutpflege, stationäre Langzeitpflege, ambulante Pflege, Pädiatrie und Psychiatrie) und wählen einen Vertiefungseinsatz in der praktischen Ausbildung.

Auszubildende, die im dritten Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen, schließen ihre Ausbildung mit dem Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ ab. Alternativ können Auszubildende, die ihren Vertiefungseinsatz im Bereich der Altenpflege oder der Kinderkrankenpflege gewählt haben, für das dritte Ausbildungsjahr auch den Weg der Spezialisierung gehen und den Abschluss als „Altenpfleger/in“ oder „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in“ anstreben.

Die Reform der Pflegeberufe ist somit ein Kompromiss, der sowohl die generalistische Ausbildung etabliert als auch weiterhin die Ausbildung in der Alten- und Kinderkrankenpflege - für eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2026 - ermöglicht. Darüber hinaus wird mit dem Pflegeberufegesetz als weiterer Qualifizierungsweg ein Pflegestudium in Ergänzung zur beruflichen Pflegeausbildung eingeführt.

Ziel und Absicht der neuen, generalistischen Pflegeausbildung ist es, eine Antwort auf die zunehmend komplexeren Anforderungen im Pflegebereich zu bieten und durch eine vielfältigere und attraktivere Ausbildung dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Durch die Verzahnung der klassischen drei Ausbildungsgänge enthält das neue Berufsbild theoretische und praktische Bausteine aus dem gesamten Pflegespektrum. Zukünftige Pflegefachkräfte sollen daher flexibel in allen pflegerischen Versorgungsbereichen eingesetzt werden können. Darüber hinaus soll die Reform der Pflegeberufe weitere Vorteile, für die Auszubildenden, für die Einrichtungen und Schulen als auch für das Setting Pflege im Allgemeinen bieten:
  • Die neue Pflegeausbildung wird schulgeldfrei sein und Auszubildende haben Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. In Baden-Württemberg ist dies schon seit mehreren Jahren der Fall
  • Die gesamte Pflegeausbildung soll durch zeitgemäße Ausbildungsinhalte, mehr Praxisanleitung (die zukünftig refinanziert wird) sowie durch grundsätzlich gesteigerte gesetzliche Anforderungen an die theoretische und praktische Ausbildung auf ein neues Qualitätsniveau gestellt werden
  • Die Pflege soll durch die Einführung von „der Pflege vorbehaltenen Tätigkeiten“ als eigenständiges Berufsfeld aufgewertet werden und damit mehr Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Pflegekräften schaffen, die Abhängigkeit von Medizinern, die sich in der Pflege häufig nicht auskennen, soll verringert werden
  • Durch die Kompetenzvermittlung für die Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen soll der Wechsel zwischen den einzelnen Pflegesettings erleichtert werden, Pflegekräfte sollen bedarfsgerecht und wohnortnah eingesetzt werden können und sie sollen auf diese Weise zusätzliche Beschäftigungs- und Aufstiegsmöglichkeiten erhalten
  • Die generalistische Pflegeausbildung wird EU-weit anerkannt werden und so den Zugang zu Arbeitsstellen im europäischen Ausland ermöglichen.

Zum Anfang

Wohnungslose Menschen haben keine große Lobby. Wolfgang Baumung, zunächst Mitarbeiter und seit 2011 Leiter des Haus Linde, Wohnungslosenhilfe im Landkreis Göppingen, begegnet oft die Meinung, dass Betroffene selbst Schuld an ihrer Situation sind und ihnen deswegen auch keine oder zumindest wenig Hilfe zusteht.

Schnell wurde dem heute 56-Jährigen klar, dass dies auch einer der Gründe war, warum die Anerkennung seiner Arbeit bei den Leistungsträgern, in öffentlichen Gremien und auch bei Teilen der Bevölkerung relativ gering war. Auch stellte er fest, dass es auch nur wenige Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sich für diesen Bereich engagieren wollten. Bereits kurz nach seiner Einstellung wollte der damalige Sozialdezernent den Zuschuss zur Beratungsstelle auf Null kürzen, was die Schließung der Einrichtung zur Folge gehabt hätte. Viele Gespräche der damaligen Leitung mit Kreistagsmitgliedern und eine große Unterschriftenaktion in der lokalen Presse konnten dies nur mühsam verhindern. Allerdings nur mit vielen Abstrichen bei der Finanzierung der Hilfen nach § 67 SGB XII, was sich bis heutige negativ auf die finanzielle Situation des Vereins auswirkt. Mit Übernahme der Leitung hat Baumung auch die Verhandlungen der Pflegesätze in Angriff genommen, teilweise mit erfolgreichen Abschlüssen, aber eben nicht so erfolgreich, dass man die über Jahre die Lücke in der Finanzierung schließen konnte.

Die Unterbringung von Obdachlosen ist im Landkreis Göppingen so schlecht wie in vielen anderen Landkreisen in Baden-Württemberg. Nur wenige Kommunen im Landkreis bieten zufriedenstellende und menschenwürdige Unterkünfte an. Es ist schwierig, eine Verbesserung der Umstände einzufordern ohne gleichzeitig den Entscheidungsträgern auf die Füße zu treten, schließlich sitzt ein Großteil der Bürgermeister im Kreistag und haben dadurch unmittelbaren Einfluss auf den Sozialausschuss.

Gerade wegen der Hilflosigkeit des Klientels, mit dem sich Wolfgang Baumung beschäftigt, ist es ihm ein besonderes Anliegen, für die Menschen und den Verein zu kämpfen, insbesondere über die Realität wohnungsloser Menschen zu informieren, um so Verständnis und Unterstützung für die Arbeit und die Betroffenen zu wecken. Dabei nutzt er jede Gelegenheit, in der Öffentlichkeit die Arbeit des Vereins zu präsentieren und so auch das jährliche finanzielle „Loch“ über Spenden zu schließen (Lions, Rotarier, Inner wheel circle, Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, Männervesper, Seniorenfrühstück, Jobcenter, Uni Hohenheim, Parteien usw., um nur einige Förderer zu nennen). Das kostet viel Zeit, lohnt sich aber bislang in jedem Jahr. Im Lauf der Jahre ist es gelungen,  das Haus Linde und die Arbeit mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

Weil der freie Wohnungsmarkt nichts für die Klienten anzubieten hat, stellte der Verein früh eigene Wohnungen zur Verfügung. Nachdem dies bei Weitem nicht den Bedarf deckte, hat Baumung mit Wohnungsgesellschaften Kontakt aufgenommen und um Unterstützung und Kooperation gebeten. Immerhin ist ihm mit drei Wohnungsgesellschaften gelungen Kooperationen einzugehen, so dass der Verein mit aktuell sieben Wohnungen versorgt wurde. Dabei ist das Team nicht größer gewachsen, sie haben nur mehr Arbeit, mehr Datenschutz, mehr Brandschutz, mehr Verwaltungsvorschriften usw., aber irgendwie kriegen sie das immer noch und wieder hin. Baumung: „Ich habe ein tolles Team!“
Aktuell ist er bei der Bürgermeisterversammlung im Landratsamt Göppingen eingeladen, um das Fachstellenkonzept, das einerseits vom Deutschen Verein als auch von der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg entwickelt wurde, vorzustellen. Gleichzeitig hat er Gelegenheit, über die Arbeit des Vereins zu informieren. Er hofft, dass es ihm gelingt, die Bürgermeister für das Thema Prävention zur Vermeidung der Wohnungslosigkeit zu sensibilisieren, auch um damit für den Verein und die Betroffenen einen „neuen Markt“ zu eröffnen und die eigene Arbeit auszubauen.
Vor vielen Jahren hat sich in seinem Team der Satz: „Nächstes Jahr wird´s ruhiger“ eingebürgert. Er hat den Satz neu geprägt: „Nächstes Jahr wird es nicht ruhiger“ und deshalb kämpfen sie weiter in Göppingen. Und engagieren sich auch in der Vesperkirche vor Ort.

Meine Aufgabe als Landesreferentin besteht darin, Herr Baumung fachlich zu unterstützen. Ob gegenüber und mit ihm bei Verhandlungen mit dem Landkreis Göppingen oder aber im Fachverband durch Entwicklung neuer Strategien und Überlegungen zur Umsetzung von Standards im Hilfesystem, die wir seit rund zwei Jahren auf Landesebene entwickeln. Das Haus Linde ist in die Jahre gekommen. Es ist ein Aufnahmehaus, das Betroffene so lange versorgt, bis ihre sozialrechtlichen Ansprüche geklärt sind. Üblicherweise ist diese Clearing Phase auf ungefähr drei Monate begrenzt. In Göppingen lässt sich dies allerdings nur schwerlich umsetzen, weil keine adäquaten Wohnangebote vorgehalten werden. Die Thematisierung und die Sensibilisierung für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für ein Klientel, das noch einmal ganz besondere soziale Schwierigkeiten hat, ist eine der anstehenden Aufgaben für diesen Landkreis, bei dem ich Wolfgang Baumung gerne weiter unterstütze.

Gabriele Kraft


Zum Anfang
Hildegard Arnold leistet seit vielen Jahren ehrenamtlich und mit überdurchschnittlich hohem Engagement einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Suchtselbsthilfe bei den „Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Württemberg e. V.“ und auf Bundesebene. Die Freundeskreise sind Mitglied im Fachverband Suchthilfen des Diakonischen Werks Württemberg.

1992 wurde sie zur Beisitzerin in den Vorstand der Freundeskreise gewählt und rückte 1999 zur 2. stellvertretenden Vorsitzenden auf. 2001 übernahm sie dann den Vorsitz des Landesverbandes, den sie bis heute inne hat.

Hildegard Arnold hat einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz der Angehörigen in den Freundeskreisen geleistet. Dies wird auch durch die Tatsache deutlich, dass sie als erste Angehörige in den Vorstand gewählt wurde.

Im März 2018 hat die engagierte Frau zusätzlich den Vorsitz der „Baden-Württembergischen Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfe- und Abstinenzverbände“ (BWAG) übernommen. Auf Bundesebene ist sie im erweiterten Vorstand des Bundesverbandes der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe (Kassel) tätig.

Auch nach Beginn ihres Ruhestandes vor drei Jahren führt Frau Arnold ihr Engagement in großer Treue und Kontinuität fort. Mit ihrer Zugewandheit, Neugierde, Lernbereitschaft und Offenheit trägt sie nach wie vor maßgeblich zur Weiterentwicklung der Suchtselbsthilfe bei.

Mit ihrer persönlichen und fachlichen Kompetenz beeindruckt Hildegard Arnold, indem Sie Menschen zusammen bringt und auch kontroverse Themen auf annehmende Weise und klar einbringt. Sie stößt Entwicklungen an und sorgt für deren kontinuierliche Fortführung und Umsetzung.

Das Referat Suchthilfen im Diakonischen Werk Württemberg freut sich über den so kompetenten hohen ehrenamtlichen Einsatz von Hildegard Arnold in der Suchtselbsthilfe.


Referat Suchthilfen im Diakonischen Werk Württemberg
Elke Wallenwein (100 Prozent) ist für die Koordination, Vernetzung und Entwicklung der Aktivitäten des Fachverbandes Suchthilfen und die dessen Gremien auf den unterschiedlichen  Ebenen zuständig. Auf Ebene des Landes-Baden Württemberg vertritt sie das Diakonische Werk in der Landesstelle für Suchtfragen als dessen stellvertretende Vorsitzende.
Das Referat Suchthilfen ist Mitglied beim Gesamtverband für Suchthilfe e.V. (GVS), einem Fachverband der Diakonie Deutschland.
Renate Klenz (50 Prozent) verantwortet die Fortbildungen „Betriebliche Ansprechpartner/in SuchtPrävention“ und „Freiwillige Mitarbeit in Sucht und Selbsthilfe“. Die Fortschreibung der Curricula ist hierbei ebenso Bestandteil des Tätigkeitsfeldes wie die Akquise und Betreuung der Referierenden, die Akquise und Betreuung der Teilnehmenden und die Öffentlichkeitsarbeit.
Das Referat in Zahlen:
  • 26 Träger sind Mitglied im Fachverband.
  • 24 Suchtberatungs- und Behandlungsstellen mit 133 Mitarbeitenden.
  • 5 stationäre Suchtrehabilitationsstandorte
  • 2 teilstationäre Suchtrehabilitationsstandorte
  • 14 Ausbildungstage „Freiwillige Mitarbeit in Sucht und Selbsthilfe“.
  • 30 Ausbildungstage „Betriebliche Ansprechpartner/in SuchtPrävention“



Zum Anfang
Katja Gegner könnte man eine Alltagsheldin nennen. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern, kämpft sich trotz aller Widrigkeiten durch den Lebensalltag und sorgt mit großem Engagement für Jasmin (5 Jahre), Christina (6), Leonie (11) und Justin (15). Und das ist manchmal gar nicht einfach. Zum Beispiel, wenn sie wochenlang quasi ohne Geld dasteht, weil erst behördliche Formalitäten zu erledigen sind. Ihre größte Sorge dabei ist die Sorge um ihre Kinder. Dass die wenigstens etwas zu essen haben. Dass sie ein weitgehend „normales“ Leben führen können.

So etwas wie ein normales Leben gab es für die Familie längere Zeit nicht. Als die letzte Partnerschaft von Katja Gegner in die Brüche ging, brauchte sie zunächst einmal Abstand. Da spielte auch Angst wegen erfahrener Gewalt eine Rolle. Die Familie zog weg von Heilbronn und lebte für etwa zwei Jahre in Oldenburg. Eine Zeitlang mussten sie dort im Frauenhaus unterkommen – für eine fünfköpfige Familie eine große Herausforderung .

Aber Katja Gegner zog es zurück ins heimatliche Heilbronn. Nicht zuletzt wollte sie, dass die Kinder wieder Kontakt zu ihrem Vater haben. Doch das sollte sich als eher problematisch herausstellen. Besonders schwierig war aber die fehlende Wohnung. Das führte dazu, dass die Familie zusammen ins Obdachlosenheim zog, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen. Diese Situation war sehr beschwerlich: das Umfeld, die Menschen und vor allem die hygienischen Zustände.

Katja Gegner suchte Möglichkeiten, um die Situation zu verändern, knüpfte Kontakte und kam dabei mehr oder weniger zufällig in die Nikolaikirche. Dort gibt es dienstags und donnerstags beim „Seelenschmaus“ ein günstiges Mittagsessen. Und sie traf dort auf Christine und Matthias Marschall, das Pfarrerehepaar der Nikolaigemeinde. Die beiden waren und sind für Katja Gegner ein Glücksfall. Sie kümmern sich um die Familie, führen Gespräche und unterstützen bei Behördengängen. Über einen Teilhabegutschein der Landeskirche und Diakonie für Freizeit, Kultur, Bildung finanzieren sie Schulsachen für die Kinder und Eintrittskarten ins Schwimmbad. Letzteres ist besonders wertvoll für die Familie, vor allem wegen der herrschenden hygienischen Zustände in den Duschen des Obdachlosenheims.

Schließlich finden Christine und Matthias Marschall sogar eine Wohnung für die Familie. Und zum ersten Mal seit Langem hat Katja Gegner wieder ein Zimmer für sich, in das sie sich auch mal zurückziehen kann. Die Familie ist glücklich und für die Töchter kann wieder etwas mehr Normalität ins Leben kommen. Der Sohn fehlt allerdings noch. Justin ist vorerst in Heilbronn geblieben und wohnt dort in einem Wohnheim, bis er die Schule beendet hat.

Katja Gegner ist den beiden Pfarrersleuten sehr dankbar für die Hilfe und Unterstützung, die sie und ihre Kinder erfahren. Sie kommt gerne zum „Seelenschmaus“ in die Nikolaikirche und auch zu den Gottesdiensten am Sonntag. Letztendlich sind Christine und Matthias Marschall für Katja Gegner ihre persönliche Alltagshelden.

Christine Marschall sieht sich selbst weniger als Heldin. Für sie ist es eine wesentliche Aufgabe der Gemeinde, füreinander da zu sein. Deswegen ist ihr der „Seelenschmaus“ auch so wichtig: Hier wird Begegnung möglich. Die unterschiedlichen Menschen suchen das Gespräch und kommen in Kontakt. Für Christine Marschall und ihren Ehemann ist das eine Ergänzung zu den fehlenden Hausbesuchen, die aus zeitlichen Gründen kaum noch möglich sind. Es ergeben sich Gespräche und man kommt sich näher, erfährt von Schicksalen und Notlagen, aber auch von Hoffnungen und Wünschen. Oft ergibt sich daraus ein konkreter Anknüpfungspunkt für Hilfe. So haben die beiden auch schon öfter eine Antrag auf einen Teilhabegutschein gestellt und somit Menschen etwas ermöglicht, was diese sich sonst nicht leisten könnten: Fortbildungen, Zoobesuch, Eintrittskarten fürs Kino, Beteiligung im Sportverein und anderes. Und gegebenenfalls kümmern sie sich auch persönlich um die Sorgen und Nöte der Gäste des „Seelenschmauses“. Denn das ist ein Hauptanliegen für Christine Marschall: Den Menschen in der Nikolaikirche Wertschätzung entgegen zu bringen in ihrer jeweiligen Situation.

Alltagsheldin? Nein, sie selbst nicht. Als Alltagshelden sieht Christine Marschall eher diejenigen, die wie Katja Gegner sich trotz widriger Umstände durch das Leben schlagen und sich für Ihre Familie einsetzen. Oder diejenigen, die sich ehrenamtlich für andere engagieren, wie zum Beispiel die Helferinnen und Helfer beim „Seelenschmaus“. Aber letztendlich ist es egal, wie wir sie nennen. Wichtig ist, dass Menschen füreinander da sind und alle am Leben in der Gesellschaft teilhaben können.

Rainer Scheufele, Referent für Inklusion und diakonische Gemeindeentwicklung
Zum Anfang

Die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn verfügt über mehrjährige Erfahrungen mit einem Angebot, dass sich gezielt an junge Erwachsene zur Unterstützung im Übergang von Schule und Beruf richtet. Um die Lebenslage der jungen Menschen und die Erfahrungen aus der Praxis sichtbar zu machen, hat die Abteilung Kinder, Jugend und Familie (KiJuFam) ein Kurzinterview mit Mirja Meyer geführt. Mirja Meyer ist Fachbereichsleitung ambulante Einzelfallhilfen und für das Projekt Integriertes Konzept Wohnen und Arbeiten (IKWA) bei der Diakonischen Jugendhilfe Heilbronn Region zuständig. Das Angebot Integriertes Konzept Wohnen und Arbeiten (IKWA) hat sich bei dieser Zielgruppe bereits seit längerem als eine Form des passenden Angebots erwiesen.

KiJuFam: Wie sind die Lebenslagen der jungen Menschen, wenn Sie bei IKWA aufgenommen werden bzw. aus welchen Lebenslagen kommen die jungen Menschen? Was sind die auslösenden Situationen, welche Bedarfe zu diesem Zeitpunkt augenfällig? Gibt es zusammenfassend eine Beschreibung aus Ihrer Sicht für diese Risikophase des jungen Erwachsenenseins?
Meyer: IKWA richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, die das Ziel einer selbständigen Lebensführung und einer sozialen und beruflichen Integration haben. Dies kann eine Anschlussmaßnahme an das Leben in einer Einrichtung, in der Familie oder der Wohnungslosigkeit sein. Dazu beantragt der junge Volljährige, bzw. die Personensorgeberechtigten IKWA beim Jugendamt. Voraussetzung ist die Teilnahme an einer schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahme, die Fortsetzung oder der Beginn einer Ausbildung oder die aktive Arbeitsplatzsuche. Vorrangiges Ziel von IKWA ist es, jungen Menschen, die nicht mehr im Elternhaus wohnen können, sozial benachteiligt sind oder besonderen Unterstützungsbedarf haben, den Übergang in eine eigenständige Lebensführung zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Die jungen Menschen werden durch eine sozialpädagogische Beratung und Begleitung in ihrem Verselbständigungsprozess gefördert und unterstützt, damit die soziale und berufliche Integration trotz erschwerter Sozialisationsbedingungen gelingen kann. Am häufigsten kommen die jungen Menschen (im Gegenzug zum betreuten Jugendwohnen (BJW) ) direkt aus dem Elternhaus und werden da nicht genügend oder passend auf dem Weg in ihr selbständiges Leben gefördert. Auch als Anschlussmaßnahme an das BJW kommt IKWA recht häufig vor. Risiko in der Phase ist sicherlich, dass die jungen Menschen (Durchschnittsalter beim Eintritt liegt bei 19 bis 20 Jahren, Minderjährige sind nur Einzelfälle) an einem Scheideweg stehen, weg vom Elternhaus, oder aber auch raus aus den Hilfen zur Erziehung (BJW oder Wohngruppe) in ein selbständiges Leben, welches sich nun in verschiedene Richtungen entwickeln kann. Viele sind bedroht von Wohnungslosigkeit oder Arbeitslosigkeit/Ausbildungslosigkeit und brauchen hierbei oft nur jemanden der mit ihnen die nächsten Schritte sortiert. Möglichkeiten gibt es meist genug, sie müssen nur genutzt werden. Häufig spielen psychische Erkrankungen oder Beeinträchtigungen auch eine Rolle. Viele sind in schwierigen Familiensituationen groß geworden oder haben traumatische Erfahrungen gemacht. Dies behindert natürlich eine gute Entwicklung und benötigt eine entsprechende Begleitung.

Wie unterstützen Sie bei IKWA die jungen Menschen in ihrer individuellen Situation? Was unterscheidet IKWA von einer „klassischen“ Hilfe? Wie lange nutzen die jungen Menschen in der Regel das Angebot von IKWA?
Die jungen Menschen werden nicht „betreut“, sondern in ihrer aktuellen Lebensphase für einen überschaubaren Zeitraum „begleitet“, gefördert und beraten, damit sie sich in den Lebens- und Handlungsfeldern Wohnen, Arbeiten und Freizeit stabilisieren und die Verantwortung für ihre weitere Lebensplanung übernehmen können. Die wichtigsten Bedingungen für die Aufnahme in IKWA sind die Freiwilligkeit der jungen Menschen, der eigene Antrieb an dem Angebot teilzunehmen, sowie der Wunsch, das eigene Leben gestalten zu wollen. Vorausgesetzt wird bei dem Betreuungsschlüssel von 1:10 ein gewisses Maß an Selbständigkeit, kein aufweisen von erzieherischen Bedarfen und eine Kooperations- und Gesprächsbereitschaft. IKWA ist keine Hilfe zur Erziehung, sondern wird über den §13 SGB VII finanziert und unterliegt somit nicht dem Hilfeplanverfahren. Es finden aber Hilfeplanähnliche Verfahren mit den Jugendämtern statt. Die Verweildauer im Angebot ist immer sehr individuell und ein Durschnitt sagt wenig aus. Aber 1,5 – 2 Jahre kann schon die Regel sein, manche auch nochmal deutlich länger, manche sind auch schon nach einem Jahr soweit, dass wir sie ziehen lassen können.

Herzlichen Dank für das Interview an Mirja Meyer!

Obwohl das Angebot IKWA bereits ab 16 Jahren aufnehmen könnte, zeigt sich an der Statistik, dass die meisten jungen Menschen erst nach Volljährigkeit aufgenommen werden. Einerseits spricht dies für die Notwenigkeit in dem System des Übergangs, nach einer bereits beendeten Hilfe zur Erziehung weitere Stabilisierung bieten zu müssen. Jedoch kommt auch ein großer Teil der jungen Menschen in die Hilfe, ohne vorher jemals eine Hilfe über das Jugendamt in Anspruch genommen zu haben. Nun allerdings, nach Eintritt in die Volljährigkeit, scheint der Weg in die Selbstständigkeit und anstehende, alleinige Verantwortung, die bisherige Stabilität zu zerschlagen und externe Unterstützung wird notwendig und auch erfragt. Angebote wie IKWA sind notwendig auf dem Weg der jungen Menschen zu sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe und es zeigt sich, dass es eben nicht immer eine „Anschlusshilfe“ ist, sondern häufig auf dem Weg in die Selbstständigkeit auch der erste Kontakt zum Unterstützungssystem sein kann.
Zum Anfang
Schließen
Am Beispiel von Yassmin (Name geändert), 20 Jahre alt, lassen sich Lebenslage und Herausforderungen der Lebenslage junger Menschen, die als unbegleitete minderjährige Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind, und jetzt den Übergang in die Selbständigkeit zu bewältigen haben, veranschaulichen:
„Eigentlich will ich eine Ausbildung als Altenpflegerin machen, denn da kann ich anderen Menschen helfen. Meine Eltern wünschen, dass ich schnell heirate und eine Familie gründe. Sorge macht mir, dass ich bald alleine dastehe weil ich 21 Jahre alt werde und noch keine Wohnung habe.“

Yassmin kommt aus Afghanistan. Sie ist vor 2 1/2 Jahren ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen und wurde als unbegleitete Minderjährige in einer Jugendhilfeeinrichtung aufgenommen. Dort wohnte sie zunächst in einer Wohngruppe für junge unbegleitete Flüchtlinge gemeinsam mit zwei weiteren Mädchen und 5 Jungen. Nach knapp einem Jahr konnten die drei Mädchen, die inzwischen alle junge Volljährige Frauen sind, in eine ambulant betreute Wohnform umziehen. In dieser Wohnung lebt Yassmin noch immer, wobei sie seit geraumer Zeit auf Wohnungssuche ist, da die Jugendhilfe mit dem 21. Lebensjahr beendet wird und sie dann nicht länger in der Wohnung wohnen kann und damit auch die ambulante Unterstützung beendet wird.

Yassmin besuchte in Deutschland eine Klasse der „Vorbereitung Ausbildung und Beruf an einer beruflichen Schule mit Sprachförderung“ (VABO) und erlangte so vor einem Jahr ganz knapp den Hauptschulabschluss. Als es mit der Ausbildungsplatzsuche nicht geklappt hat wurde sie einer Maßnahme zur Berufsvorbereitung zugewiesen. Yassmin hat Kontakt zu ihrer Mutter in Afghanistan und einer ihrer Brüder konnte vor 1 1/2 Jahren auch nach Deutschland kommen. Er lebt in einer Anschlussunterkunft in Köln. Durch ihn hat die Familie erfahren, dass Yassmin in der Wohngruppe mit Jungen zusammengewohnt hat. Seitdem fürchtet die Familie um ihren Ruf und drängt Yassmin zur Heirat. Ihr Bruder meldet sich regelmäßig und fordert Yassmin auf in seine Nähe zu ziehen.

Yassmin selbst will lieber eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen und erhält diesbezüglich die Unterstützung durch die pädagogischen Fachkräfte der Jugendhilfeeinrichtung. Ab September 2019 hat sie einen Ausbildungsplatz aufgrund eines Praktikums in einer Altenpflegeeinrichtung in Aussicht. Yassmin hat Sorge wie sie ihr Leben weiterführen kann ohne die Begleitung und Unterstützung durch die pädagogische Mitarbeiterin der Jugendhilfeeinrichtung. Ihr Bruder und die Mutter machen Druck in Bezug auf Heirat und Umzug in die Nähe des Bruders bei Köln.

Yassmin möchte jedoch die Ausbildung beginnen und hier eine Wohnung für sich finden. Sie hat Sorge, wo sie sich bei neuen Fragen hinwenden kann. Sie hat Sorge, dass sie die Ausbildung nicht schafft und dass sie ihren Aufenthalt in Deutschland verliert, da sie aktuell lediglich einen subsidiären Schutzstatus, der in einem Jahr ausläuft. Mit all diesen unklaren Zukunftsperspektiven wird Yassmin ab Oktober 2019 alleine zurecht kommen müssen. Sie hofft, dass sie ihre aktuelle Betreuerin noch weiterhin fragen kann und sie eine gute Wohnmöglichkeit für sie findet. Ihre Betreuerin hat ihr zugesichert, dass Yassmin weiterhin Unterstützung erhalten wird. Wo und wie ist noch unklar und Yassmin versucht aktuell ihren Hauptschulabschluss zu verbessern und hofft, dass das Jugendamt vielleicht doch noch die Hilfe und Unterstützung in Form einer Nachbetreuung verlängert, damit sie gut in ihre Ausbildung starten kann und sie nicht mit allen Herausforderung gleichzeitig alleine zurecht kommen muss. Angst macht ihr außerdem, dass sie vielleicht in eine Obdachlosenunterkunft ziehen muss, wenn sie keine eigene Wohnung findet. Da hat sie schon viele schlimme Geschichten gehört.

Eine Rückmeldung hat sie bisher nicht. Allerdings weiß sie, dass sie immer zu ihren Mitbewohnerinnen kommen und auch ihre bisherige Betreuerin fragen kann. Vielleicht gibt es bis dahin auch die Möglichkeit, dass sie weiterhin ihre Betreuerin regelmäßig in einer Kontaktstelle treffen kann auf einen Kaffee. Das wäre eine entlastende Option falls Yassmin Fragen und Unterstützungsbedarfe hat. Denn die Alltagsführung und das eigenständige Leben stellt für sie keine Schwierigkeit dar. Lediglich ihre Familie hat damit ein Problem und es fällt ihr immer wieder auch schwer sich gegen diese Erwartungen durchzusetzen, wenngleich die Familie nicht direkt vor Ort ist. Auch ist sie sich nicht sicher, ob sie die Ausbildung schafft und genügend Ruhe fürs Lernen findet, denn das hängt stark mit ihrer zukünftigen Wohnform ab.
Stiftung Jugendhilfe aktiv – Volljährig und nun?
Zum Anfang
Die Bewältigung des Übergangs junger Menschen von der Hilfe zur Erziehung in die Selbständigkeit ist entscheidend für eine nachhaltige Wirkung der Hilfe. Dies wird insbesondere auch durch den 15. Kinder- und Jugendbericht und die aktuelle Fachdebatte mit jungen Care Leavern deutlich. Beobachtungen aus der Praxis zeigen, dass die Kostenheranziehung dabei zunehmend zum Risiko wird. Dadurch, dass die jungen Menschen einen Großteil ihres Einkommens als Kostenbeitrag für die ihnen gewährte Hilfe einbringen müssen, können sie keine Ersparnisse für diese wichtige Phase des Übergangs erzielen. Im Vergleich zu Gleichaltrigen sind sie dadurch für die Bewältigung von wichtigen Anforderungen (z.B. Kaution für die erste Wohnung, Führerschein) benachteiligt. In der Praxis zeigt sich, dass für manche junge Menschen dies sogar ein Grund ist, die Hilfe ohne die erforderliche Begleitung des Übergangs in die Selbständigkeit zu beenden oder abzubrechen. Die Diakonie Württemberg setzt sich daher dafür ein, die derzeit gültigen Regelungen zu verändern. Anzustreben ist dies durch eine Änderung im SGB VIII, aber auch durch ein besseres Nutzen von Ermessensspielräumen unter den aktuell geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen.


Zum Anfang

Ambulante Pflege: wachsende Nachfrage, Personalnot und Stabilisierung

Die ambulanten Dienste haben im vergangenen Jahr einen weiteren Nachfrageschub bewältigen müssen. Einer der Gründe sind verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten für die Betreuung zuhause infolge der letzten Reform des Pflegeversicherungsgesetzes. Problematisch ist allerdings die Personalsituation: Der Arbeitsmarkt ist fast leergefegt. Ambulante Pflegedienste in der Diakonie konzentrieren sich deswegen verstärkt auf das Personalmarketing. Der Evangelische Landesverband für Diakonie-Sozialisationen und die Abteilung Gesundheit, Alter, Pflege haben im Jahr 2019 damit begonnen, strukturiert an dem Thema „Führungskräfte in der Pflege gewinnen und halten“ zu arbeiten. Die Ergebnisse dieses Projektes sollen in Form von Veranstaltungen, Coachings und Informationsmaterialen verbreitet werden.

Wirtschaftlich haben sich die Stationen weitgehend stabilisiert: Durch die vom Gesetzgeber herbeigeführte Berücksichtigung der Vergütungen für ambulante Pflegeversicherungsleistungen konnten in den Verhandlungen im Zeitraum 2018/2019 angemessene Vergütungen durchgesetzt werden. Vorbereitet wurden die Verhandlungen vom Kollektiv der nur kirchlichen Wohlfahrtsverbände unter maßgeblicher Beteiligung der Abteilung Wirtschaftsberatung im Diakonischen Werk Württemberg.
Zum Anfang
Das Diakonische Werk Württemberg ist Mitglied im „Aktionsbündnis Kurzzeitpflege“, das vom Sozialministerium ins Leben gerufen wurde. Ziel des Aktionsbündnisses ist es, mit vereinten Kräften die Kurzzeitpflegeplätze im Land massiv auszubauen. Eine Umfrage der Leistungserbringer – das DWW war auch beteiligt – hat vor wenigen Monaten ergeben, dass noch 80 Prozent aller Anfragen auf Kurzzeitpflegeplätze abgelehnt werden müssen.

Es gibt viel zu wenig Kurzzeitpflegeplätze im Land. Viele – auch diakonische Träger – bieten Kurzzeitpflegeplätze an, dies reicht jedoch nicht aus. Unter Beteiligung des Diakonischen Werks Württemberg verhandeln die Wohlfahrtsverbände seit über einem Jahr mit den Kostenträgern über einen neuen Rahmenvertrag. Dabei geht es um die Gestaltung von guten Rahmenbedingungen, denn kein Leistungsanbieter kann es sich leisten, Kurzzeitpflegeplätze auf eigenes Risiko aufzubauen. Das Land hat mittlerweile einige ordnungsrechtliche Vorschriften gelockert, um zum Beispiel die Nutzung von Doppelzimmern in Heimen als Kurzzeitpflegeangebot zu ermöglichen.

Trotzdem bleibt die Lage angespannt: Die Verhandlungen sind nicht vorangekommen, weil die Kostenträger einen „Einheitsvertrag“ für alle möglichen Zielgruppen der Kurzzeitpflege wollen. Die Verbände wollen hingegen eine differenzierte Versorgung  je nach unterschiedlichen Bedürfnissen der Kurzzeitpflegegäste aufbauen und für unterschiedliche Nutzergruppen unterschiedliche Rahmenbedingungen festlegen. Nach ihrer Auffassung muss zwischen Schwerkranken, gerade aus dem Krankenhaus entlassenen Menschen und Kurzzeitpflegegästen, deren Angehörige kurzzeitig Unterstützung brauchen, unterschieden werden. Die Gespräche werden fortgesetzt.
Zum Anfang
Allenthalben wird von der „Digitalisierung“ als Innovationstreiber gesprochen. Auch diakonische Pflegeeinrichtungen in Württemberg sind davon betroffen. Ein – leider viel zu wenig beachtetes – Problem sind unterschiedliche Abrechnungsprozesse zwischen ambulanten Pflegediensten und den einzelnen Krankenkassen. Hierdurch entsteht ein großer bürokratischer Aufwand. Da fast jede gesetzliche Kasse ihr eigenes Abrechnungsverfahren und ihre eigene Abrechnungszentrale hat, müssen die Abrechnungsprogramme alle Schnittstellen der unterschiedlichen Kassen abdecken. Für die Pflegedienste verursachen die unterschiedlichen digitalen Verfahren einen erheblichen Aufwand. Beharrlich wirkt das Diakonische Werk auf die einzelnen Kassen bzw. die Abrechnungszentren ein, um dabei zu helfen, Probleme zu beseitigen.

Positiv hingen wirkt sich die „Mobile Datenerfassung“ bei ambulanten Pflegediensten aus, die zur Entlastung der Pflegekräfte beiträgt, weil sie die Erfassung der Leistungen einfacher macht. Für die Steuerung der ambulanten Pflege sind die elektronisch generierten Auswertungen sehr hilfreich.

Seit Beginn des Jahres 2018 wird an einer digitalen Beratungs- und Vermittlungsplattform für die Pflege gearbeitet. Der neu gegründete „Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft“ (vediso e.V.) will mit der Implementierung dieser Plattform ein zeitgemäßes und gut zugängliches Beratungs-, Vermittlungs- und Informationsangebot für ältere Menschen und pflegende Angehörige machen. Die erste (Beta-)Version der Vermittlungsplattform ist im Oktober online gegangen. Sie wird laufend weiterentwickelt. Das DWW ist Mitglied im Verband für „Digitalisierung in der Sozialwirtschaft“ und war an der Entwicklung der Plattform beratend beteiligt.
Zum Anfang

0:00
/
0:00
Herzlich willkommen! Mit dem Jahresbericht der Diakonie Württemberg informieren wir Sie digital darüber, was uns im letzten Jahr bewegt und beschäftigt hat.

Da war beispielsweise die Kampagne „Platz für Asyl“, mit der wir uns für den Flüchtlingsschutz und eine offene Gesellschaft stark gemacht haben. Flüchtlingsinitiativen, Kirchengemeinden, Schulen, diakonischen Einrichtungen, Kommunen und Privatpersonen haben über tausend bunte Stühle gestaltet und auf dem Marktplatz in Stuttgart ein starkes Zeichen gesetzt.

Die Langzeitarbeitslosigkeit in Baden-Württemberg beschäftigt uns ebenso weiterhin. Viele Risikogruppen wie Menschen höheren Lebensalters oder gering Qualifizierte profitieren nicht von der guten Arbeitsmarktlage. Es dauert durchschnittlich 572 Tage, bis sie eine neue Arbeit finden.

Deshalb engagieren wir uns politisch auf Landes- und Bundesebene und auch ganz praktisch: zum Beispiel mit dem Teilhabegutschein Beschäftigung. Er hilft Menschen, die ohne Unterstützung keine Chance haben, eine Arbeit zu bekommen. Ebenso schaffen wir mit der „Aktion 1+1“ Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen, die durch diese Förderung wieder Struktur, Halt und Sicherheit erfahren.

Festlich wurde es um die Jahreswende: Die 60. bundesweite Spendenaktion von Brot für die Welt haben wir im Dezember in der Leonhardskirche in Stuttgart mit einem Fernsehgottesdienst eröffnet.

Das ganze Jahr über würdigten wir unter dem Motto „Unerhört! Diese Alltagshelden.“ alle die Menschen, die wir in unseren Beratungsstellen und Einrichtungen begleiten und die mit Mut und Zuversicht gute Perspektiven für ihr Leben gewinnen. Unser großer Dank gilt dabei den Mitarbeitenden – den hauptamtlichen wie den ehrenamtlichen Alltagshelden, die sich mit großem Einsatz für andere engagieren und so den Dienst der Nächstenliebe tun. Ohne sie und ihr Engagement wäre unsere Arbeit nicht möglich.

Audio öffnen

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Ein großes Thema war für uns Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Das ist ein aufwändiger Prozess, mit dem das neue Sozialgesetzbuch IX in mehreren Reformstufen bis zum Jahr 2023 umgesetzt wird.
Das verändert vieles:
  • Die Selbstbestimmung der betroffenen Menschen wird gestärkt
  • sie können die gewünschten Leistungen unabhängig von ihrem Wohnort in Anspruch nehmen
  • ihre Bedarfe werden in einer neuen Form ermittelt
  • sie erhalten eine hohe Verantwortung, weil sie aus der Bandbreite der Angeboten recht frei wählen können.
Darauf bereiten wir die Betroffenen, ihre Angehörigen und gesetzlichen Betreuer umfassend vor.
Auch für die diakonischen Anbieter der Leistungen sind grundlegenden Veränderungen damit verbunden. Deswegen gibt es in den Jahren 2020 und 2021 eine Übergangsphase. Wir beraten sie bei der Umstellung von Finanzierungsregelungen und Gestaltung von Verträgen.

Seit Monaten verhandeln wir intensiv über den dafür notwendigen neuen Landesrahmenvertrag. Diese komplizierten Verhandlungen, die wir im BTHG-Projekt der Liga der freien Wohlfahrtspflege führen, benötigen neben hohem Sachverstand auch viel Vorbereitungs- und Verhandlungszeit – mit sehr vielen Beteiligten. Erstmals sitzen auch Vertretungen von Menschen mit Behinderungen am Verhandlungstisch. Alle müssen sich auf eine gemeinsame Strategie einigen, um am Ende ein gemeinsames Ziel zu erreichen – die gelingende Umsetzung des Gesetzes in Baden-Württemberg. Dafür setzen wir uns auf allen Ebenen ein.

Audio öffnen

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Seit über zehn Jahren hat die Diakonie Württemberg einen eigenen „Corporate Governance Kodex“, der Grundlagen zur Leitung und Überwachung diakonischer Einrichtungen und Dienste beschreibt. Er enthält Standards und Empfehlungen zu einer guten, verantwortungsvollen Unternehmensführung.

2018 wurde eine Analyse für unsere Landesgeschäftsstelle durchgeführt. So haben sich Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der Corporate Governance gezeigt. Im Vordergrund stehen die Einführung eines internen Compliance- und Risikomanagements sowie eine risikoorientiertere Ausrichtung der Internen Revision.

Im ersten Schritt wurden Einzelgespräche mit Führungskräften geführt. Ziel war es, alle Prozesse und Regeln im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu erheben und eine Einschätzung der bestehenden Risikosituation zu erhalten. So identifizierten wir die relevanten Risikoszenarien für das Compliance- und Risiko-Management der Landesgeschäftsstelle.

Im zweiten Schritt wurden diese Risikoszenarien von den Führungskräften bewertet, eine einheitliche Sichtweise erarbeitet und Maßnahmen definiert, Risiken zu senken. Diese Einstufung wurde mit dem Vorstand abgestimmt und wiederum in der Leitungskonferenz vorgestellt und diskutiert.

Im dritten Schritt werden die Prozesse und Dokumente zur dauerhaften Implementierung eines CMS in der Landesgeschäftsstelle erstellt und Verantwortlichkeiten festgelegt.

Damit verfügt das DWW über einen weiteren, wichtigen Baustein für eine gute Unternehmensführung, mit dem Risiken begrenzt und Regelverstöße vermieden werden. Dies bezieht sich zum Beispiel auf die Themenfelder Antikorruption und Datenschutz.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entdecken unseres Jahresberichts und freuen uns auf das kommende Jahr mit Ihnen.

Audio öffnen

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden
Schließen
Übersicht
Nach links scrollen
Kapitel 2 Unerhört! Diese Alltagshelden.

"Unerhört! Diese Alltagshelden."

Kapitel 3 Alltagshelden regional und global

Alltagshelden regional und global

Kapitel 4 Diakonie digital

Diakonie digital

Kapitel 5 Unternehmensfragen

Unternehmensfragen

Kapitel 6 Wirtschaftlich solide denken und handeln

Wirtschaftlich solide denken und handeln

Kapitel 7 Neues aus dem Bereich Pflege

Neues aus dem Bereich Pflege

Kapitel 8 Einsatz für neuen Pflegeberuf

Einsatz für neuen Pflegeberuf

Kapitel 9 Auftrieb für die Hauswirtschaft

Auftrieb für die Hauswirtschaft

Kapitel 10 Teilhabe trotz Behinderung

Teilhabe trotz Behinderung

Kapitel 11 Freiwilliges Engagement

Freiwilliges Engagement

Kapitel 12 Landkreis- und Kirchenbezirksdiakonie, Existenzsicherung

Einsatz für andere

Kapitel 13 Jugendhilfe

Jugendhilfe

Kapitel 14 Neuer Imagefilm

Imagefilm der Diakonie Württemberg

Kapitel 15 Zahlen, Daten, Fakten

Zahlen, Daten, Fakten

Kapitel 16 Impressum

Impressum

Nach rechts scrollen